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Wird der Homo sapiens sapiens als Gattungswesen von universeller Repräsentanz wissenschaftlich untersucht, gelten eine quantitative Vorgehensweise und die Suche nach Theorien von zeitloser Gültigkeit als adäquat. Da jedoch für den immer stärker nach Individualität strebenden Menschen eine große Variationsvielfalt der Erscheinungsformen charakteristisch ist, gewinnen die qualitative Untersuchungsstrategie der Komparativen Kasuistik und die Entwicklung von Enstehungstheorien begrenzter Reichweite sowie starker Veränderungsoffenheit zunehmend an Bedeutung.Die Gegenstände komparativ-kasuistischer Betrachtung, zu denen z.B. Lebensformen und Karriereverläufe ebenso gehören wie Störungssyndrome oder die Ergebnisse von Interventionsprozessen, setzen immer eine qualitativ oder auch quantitativ zustandekommende, hinreichend typisierende Beschreibung eines Phänomens voraus, das – als Tertium comparationis – die (relative) Einschlägigkeit der Fälle garantiert und zugleich jene theoriebildend verwertbare individualgeschichtlich-biographische Hinterfragung seines "Werdegangs" ermöglicht, die idealerweise sogar die Identifikation eines häufig beteiligten gesellschaftlichen Faktors erlaubt.Die um 1980 an der TU Berlin entwickelte Komparative Kasuistik hat sich vor und insbesondere nach dem Erscheinen der Erstausgabe des vorliegenden Bandes im Jahre 1990 bereits vielfältig bewährt. Im Rahmen des gerade entstehenden umfassenden Programms einer "konkreten Psychologie" eröffnen sich für diesen Ansatz weitere Anwendungsperspektiven und damit verbundene zusätzliche Ausbaumöglichkeiten.Inhalt:Das Konzept und seine wissenschaftliche Begründung Gerd Jüttemann: Das Grundmodell der ForschungsstrategieChristoph Hubig: Analogie und Ähnlichkeit – Probleme einer theoretischen Begründung vergleichenden Denkens Wolfgang Mack: Zur Bedeutung der Klassenbildung (und psychologischen Taxonomie) für die Anwendung der Komparativen KasuistikUta Gerhardt: Idealtypen in der fallvergleichenden ForschungAntje Hein: Der Phänomenbegriff in der Philosophie und seine Bedeutung für die Komparative KasuistikGünter Mey, Katja Mruck: Qualitative Forschungsprogramme in der Psychologie: Zu den Potenzialen der Komparativen Kasuistik und der Grounded-Theory-MethodologieBesondere Anwendungsperspektiven Gerd Jüttemann: Komparative Kasuistik als adäquate Strategie einer klinisch-psychologischen Erforschung störungsspezifischer PhänomeneReinhard Lindner, Ulrich Stuhr: Verstehende Typenbildung und Komparative Kasuistik: Fallvergleichende qualitative Methoden in der Psychotherapieforschung Wolfgang Mertens: Ein jedes Leben ist anders – Plädoyer für eine stärkere Feinauflösung in der PsychotherapieforschungFranz Petermann: Komparative Kasuistik und ihr Nutzen für die Klinische Kinderpsychologie Ulrike Schraps, Ernst-H. Hoff, Christian Härtwig: Qualitative Analyse von Längsschnittdaten – Interviewauswertung und Typenbildung zu Entwicklungsverläufen der LebensgestaltungAnne Huber: Karriereerfolg als individuelles Projekt: Grundformen beruflicher Autogenese Adelheid Kühne: Zur Genese von Delinquenz und Kriminalität – Komparative Kasuistik als methodischer ZugangThomas Burkart: Der Vergleich von Einzelfällen in qualitativen Untersuchungen mit heuristischer Zielsetzung – am Beispiel einer Analyse von GefühlenRolf Sprandel: Ansätze der Geschichtswissenschaft für die Komparative KasuistikKonkrete inhaltliche Beispiele aus unterschiedlichen ForschungsbereichenFranz Breuer: Vorgänger-Nachfolger-Übergänge in institutionellen und persönlichen Bezügen: Die Ausarbeitung einer Kategorie sozialwissenschaftlicher PsychologieKarl-Franz Kaltenborn: Komplexe psychosoziale Phänomene verstehen: Ein Beispiel zur Anwendung der Komparativen Kasuistik in der Kindheits- und FamilienforschungStefan Brandt: Demokratisches Engagement von Oberschülern – Wie profitiert ihr Selbsterleben? Melanie Germer, Franziska Marx, Wolfgang Schulz: Entstehung und Realisierung des Kinderwunsches – Bericht über eine qualitative Studie zu Motiven und Bedingungen für oder gegen die generative EntscheidungMartina Mörth: Berufsbiografieforschung: Erfolgsfaktoren in Sänger- und SängerinnenkarrierenImke Haack: Vergleichende biographische Analysen der Berufslaufbahn von Schauspielern Julia Tennstedt, Stefan Brandt: Berufsbild Schulleiter – Eine Analyse zum subjektiven Führungsverständnis Nadine Reinhold, Hans J. Markowitsch: Das mnestische Blockade-Syndrom: Herleitung eines diagnostischen Begriffs aus EinzelfallbeschreibungenNiels Habermann: Entwicklungspfade, Tatmotive und Delinquenzverläufe jugendlicher Sexualmörder – Eine retrospektive Gutachtenanalyse mittels Komparativer Kasuistik
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