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Putin sei Dank: Die Russen trinken weniger und leben länger

Dem Putin-Regime ist nicht nur Negatives zuzutrauen: Es ist ihm mit diversen Restriktionen gelungen, den Alkoholkonsum fast zu halbieren und etwa deutschen "Standard" zu erreichen. Die Lebenserwartung der Russen stieg damit signifikant, berichtet Lancet im Oktober.

Der hohe Stellenwert hochprozentiger Nahrungsmittel hat in Russland incl. Anrainerstaaten berüchtigte Tradition und erfuhr mit dem Zusammenbruch des Sowjetreichs eine zusätzliche Steigerung. 1991 wurden Produktion und Preise von Alkohol liberalisiert, 2003 erreichte der Konsum einen Spitzenwert: durchschnittlich 20,4 Liter Reinalkohol pro erwachsenem Russen. Die fiskalische Einschränkung von Alkoholwerbung hatte offensichtlich keinen Erfolg. Ab dem Rekordjahr wurden daher über die Steuer die Preise drastisch erhöht. Daraufhin gingen kardiovaskuläre Todesfälle, Gewaltverbrechen, Suizide, tödliche Verkehrsunfälle - meist Folgen heftiger Zeche - um mehr als 50 Prozent zurück. Die Klinikeinweisung von Alkoholikern sank um mehr als 30 Prozent.

 

1994 lag die Lebenserwartung eines Russen im Durchschnitt um 57 Jahre, bis 2018 stieg sie auf 68 Jahre. Da Frauen sich meist eher zurückhalten, liegt ihre Lebenserwartung zehn Jahre höher. Dennoch verschärft der Moskauer Fiskus die Antialkoholpolitik weiter, z.B. dürfen ab 2020 Russen erst ab dem 21. Lebensjahr zur Flasche greifen. Der erreichte Alkoholspiegel ist nach wie vor zu hoch: Im Jahr 2016 wurden 11,7 Liter Reinalkohol pro erwachsenem Russen gerechnet. Dies liegt allerdings bereits unter dem Level von Litauen (15,2 Liter), Belgien (12,8 Liter), Österreich (12,3 Liter), 11,9 (Frankreich), aber noch über dem Niveau von Deutschland (11,0 Liter), berichtet das "Jahrbuch Sucht 2019". Auffällig ist, dass die klassischen "Wein-Länder" Italien (7,6 Liter) und Griechenland (7,5 Liter) neben den nordischen Ländern Island (7,5 Liter), Schweden (7,2 Liter) und Norwegen (6,0 Liter) in Europa den niedrigsten "Alkoholspiegel" realisieren.

 

Quelle: Lancet, doi.org/10.1016/S0140-6736(19)32265-2

Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen (Hrsg.) Jahrbuch Sucht 2019.
Pabst, 264 Seiten. Hardcover ISBN 978-3-95853-483-4. eBook ISBN 978-3-95853-484-1

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