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06-01-12
Wirtschaftspsychologie: Junge Ökonomen stellen die ehrgeizigste Berufsgruppe mit den höchsten Einkommenserwartungen


Etwa die Hälfte der jungen Wirtschaftswissenschaftler beiderlei Geschlechts hat überdurchschnittlich ehrgeizige, extrinsische Lebensziele; ein hohes Einkommen spielt eine herausragende Rolle - wesentlich stärker als in allen anderen Berufsgruppen; private Selbstverwirklichung tritt demgegenüber deutlich zurück. Diese Tendenzen fanden Professor Dr. Heinrich Wottawa und Kollegen (Ruhr-Universität Bochum) in einer Testuntersuchung mit mehr als 20.000 Studienabgängern, veröffentlicht in der Fachzeitschrift "Wirtschaftspsychologie".


Alle anderen Berufsgruppen - insbesondere Sprachwissenschaftler und Pädagogen - zeigen weniger extrinsischen Ehrgeiz und mehr Neigung zu privater Selbstverwirklichung.

Allerdings registriert die Studie - im Vergleich zwischen 2003 und 20010 - auch bei den Wirtschaftswissenschaftlern einen Rückgang des Führungspotenzials, des Durchsetzungsvermögens und der Machtaffinität. Auch "die Stressresistenz hat bei den Ökonomen stark abgenommen, bei den Männern von 66% auf 55% und bei den Frauen von 60% auf 51%. Damit sind die WirtschaftswissenschaftlerInnen aber immer noch stressresistenter als der Durchschnitt (in den aktuellen Daten Männer 46%, Frauen 42%). Die Fähigkeit zum Selbstmanagement hat sich bei beiden Geschlechtern deutlich verringert, bei den Männern von 56% auf 48%, bei den Frauen von 64% auf 55%. Trotzdem liegen damit beide Geschlechter noch über dem Durchschnitt aller Berufsgruppen (Männer 40%, Frauen 48%)."

Die Studienautoren sehen bei der jungen Akademiker-Generation "eine generelle Abnahme von Macht als Lebensziel. Bei Männern wurden auch Image und ethische Werte immer unwichtiger, ganz im Gegensatz dazu stieg bei den Frauen die Bedeutung dieser Aspekte stark an."

Wottawa und Kollegen ziehen aus ihren Studienergebnissen weitreichende Schlussfolgerungen für eine künftige Personalauswahl und Personalentwicklung in der Wirtschaft. Die Rekrutierung von Leitungspersonal dürfe sich nicht an einer schematischen 50%-Frauenquote orientieren, sondern daran, wo welches Führungspotenzial zur Verfügung steht: In der Wirtschaft etwa dürfte der Frauenanteil unter 50% liegen, im Bildungsbereich über 50%.




Heinrich Wottawa, Christian Montel, Christa Mette, Barbara Zimmer, Maren Hiltmann:

ELIGO-Studie - Berufliche Lebensziele und Leistungspotenziale junger Hochschulabsolventinnen und Hochschulabsolventen.

in: Wirtschaftspsychologie 3/2011, S. 85-110









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