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10-12-11
Forensik: Straftäter bleiben meist untherapiert und erhöhen die Sicherheitsrisiken


Annähernd 20.000 Straftäter in Deutschland befinden sich nach ihrer Entlassung unter "Führungsaufsicht". Der Bedarf an Psychotherapie ist in dieser Gruppe hoch - im eigenen Interesse der Betroffenen wie im Interesse der öffentlichen Sicherheit. Dennoch bleiben die meisten ehemaligen Häftlinge unbehandelt, kritisiert Professor Dr. Martin Krupinski (Würzburg).


"Die meisten niedergelassenen Therapeuten sind zur Straftäter-Behandlung weder gewillt, noch in der Lage; und die Kassenfinanzierung der ambulanten Psychotherapie ist zu gering als dass der unzweifelhaft erhöhte Zeitaufwand für eine kompetente Straftäterbehandlung und entsprechende Zusatzqualifizierungen ökonomisch rentabel wären.

Wenngleich ich es als betrüblich und skandalös empfinde, dass die Anbieter der psychotherapeutischen Versorgung und die Krankenkassen vielerorts keinen adäquaten Beitrag zum Opferschutz durch Straftäterbehandlung leisten, fällt es dennoch primär in den Zuständigkeitsbereich der Justiz, für eine bessere Behandlung ihrer Klientel zu sorgen," fordert der Forensiker.

Erste psychotherapeutische Ambulanzen für entlassene Sexualstraftäter sind inzwischen etabliert: in Stuttgart, Hamburg, Berlin, Karlsruhe, München, Nürnberg, Würzburg, Rostock, Kiel, Lübeck, Ludwigshafen, Trier, Ottweiler, Saarbrücken, Halle, Magdeburg. "Ein Anfang ist damit gemacht, wobei die Beschränkung auf Sexualstraftäter jedoch keineswegs sinnvoll ist und der Umfang des bisherigen Angebots nicht mehr bietet als der berühmte Tropen auf dem heißen Stein.

Insofern kann gar nicht deutlich genug betont werden, dass es dringend der verbindlichen Einrichtung von forensischen Nachsorgeambulanzen im Auftrag der Justiz bedarf ..."




Martin Krupinski: Justizambulanzen braucht das Land. In: Norbert Nedopil (Hrsg.) Die Psychiatrie und das Recht - Abgrenzung und Brückenschlag.

Pabst, Lengerich/Berlin 2011, 356 Seiten, ISBN 978-3-89967-749-2









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