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04-08-11
Therapie ehemaliger Kindersoldaten in Uganda


Kindersoldaten in Uganda haben Schreckliches erlebt, sie wurden entführt und gezwungen, zu kämpfen und andere Menschen zu töten. Viele von ihnen leiden deshalb unter posttraumatischen Belastungsstörungen (PTBS): Situationen, die sie nicht verarbeiten können, durchleben sie gedanklich immer wieder. Die Information, dass ein Erlebnis lange her und nicht mehr gefährlich ist, ist ihnen nicht zugänglich. Einige der ehemaligen Kindersoldaten nahmen nach ihrer Befreiung an einer Therapiestudie der Klinischen Psychologie und Psychotherapie der Universität Bielefeld teil. Diese Studie wird am Mittwoch, dem 3. August in einer der führenden medizinischen Zeitschriften, dem Journal of the American Medical Association, veröffentlicht.


Unterstützt von einem lokalen Mitarbeiter und Übersetzer ermittelt Dr. Verena Ertl, inwiefern sich die ehemalige Kindersoldatin (r.) noch immer mit der Rebellengruppe identifiziert
Zielke, Meermann, Hackhausen (Hrsg.): Das Ende der Geborgenheit?

Gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen der Universität Konstanz ist es der Erstautorin der Studie, der Bielefelder Psychologin Dr. Verena Ertl, gelungen nachzuweisen, dass ehemalige Kindersoldaten mit schweren Traumatisierungen in Nord-Uganda erfolgreich mit Psychotherapie behandelt werden können. Sie haben dafür 85 traumatisierte ehemalige Kindersoldaten zufällig in drei Gruppen unterteilt: eine wurde nach dem Prinzip der Narrativen Expositionstherapie therapiert, eine weitere erhielt akademische Förderung und unterstützende psychologische Beratung und eine dritte wurde als Kontrollgruppe (zunächst) nicht therapiert. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler maßen die Schwere der PTBS vor sowie drei, sechs und zwölf Monate nach der Therapie. Vor allem für die Gruppe der Narrativen Expositionstherapie konnten sie eine deutliche Verminderung der Symptome feststellen.

Im Rahmen der Narrativen Expositionstherapie bearbeiten die Traumatisierten mit Hilfe ihrer Therapeuten wiederholt und in chronologischer Reihenfolge die negativen und positiven Ereignisse ihres Lebens. Dabei lernen sie mit der Zeit, ihre Erlebnisse in ihrer Autobiografie zu verorten und sie als abgeschlossen und nicht mehr bedrohlich zu erkennen. Diese Therapieform, die unter anderem von dem Bielefelder Psychologen Professor Dr. Frank Neuner entwickelt wurde, ist für den Einsatz in Krisengebieten gut geeignet: Mit nur wenigen Therapiesitzungen können bereits Erfolge erzielt werden. Außerdem können auch Laientherapeuten sie anwenden, denn oft gibt es in diesen Gebieten keine oder nur wenige Psychologen und Psychiater. So haben die deutschen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler für die Studie in Uganda lokale Laientherapeuten geschult, die den ehemaligen Kindersoldaten in bis zu acht Doppelsitzungen halfen. Zudem haben sie viele ugandische Lehrer über Traumafolgestörungen aufgeklärt und auf Symptome hingewiesen, damit sie Betroffene besser erkennen und mit ihnen umgehen können. Darüber hinaus hat das Team bereits Mitarbeiter mehrerer Nichtregierungsorganisationen in Traumatherapie geschult.




idw-online.de/de/news435503

 

Manfred Zielke, Rolf Meermann, Winfried Hackhausen (Hrsg.): Das Ende der Geborgenheit? Die Bedeutung von traumatischen Erfahrungen in verschiedenen Lebens- und Ereignisbereichen: Epidemiologie, Prävention, Behandlungskonzepte und klinische Erfahrungen

Pabst, Lengerich/Berlin, ISBN 978-3-89967-002-8









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