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14-07-11
Wirtschaftspsychologische Studie: Finanzielle Ehrlichkeit steigert den Wohlstand


Warum befinden sich die nordeuropäischen Länder in einem besseren ökonomischen und sozialen Zustand als Südeuropa? Wirtschaftspsychologen der Universität Köln identifizieren eine wesentliche Ursache: "Je höher das Niveau an finanzieller Ehrlichkeit, desto stärker das Wirtschaftswachstum und desto höher das Bruttoinlandsprodukt." Professor Dr. Detlef Fetchenhauer und Dr. Thomas Göbbels analysieren das Nord-Süd-Gefälle in einer Studie.


Die Wissenschaftler gehen von den etablierten World Value Survey-Daten aus: ein Beleg für unterdurchschnittliche Ehrlichkeitswerte in Portugal, Spanien, Frankreich u.a.; optimale Werte wurden in den skandinavischen Ländern gefunden - und in Japan. Deutschland wird im Mittelfeld gesehen.
 
Ehrlichkeit und Vertrauen bezeichnen die Wissenschaftler als "Elemente des sozialen Kapitals; denn:

  • Menschen in einem hohen Maß an Ehrlichkeit vertrauen einander, weil sie wissen, dass die meisten ihrer Mitmenschen ehrlich sind.
  • Vertrauen und Ehrlichkeit verstärken sich gegenseitig."

Die Untersucher belegen empirisch, dass zwar Ehrlichkeit den Wohlstand, jedoch nicht umgekehrt der Wohlstand die Ehrlichkeit fördert. Die Wirkmechanismen sind offenkundig: In einem vertrauensvollen Wirtschaftsklima entstehen geringere Transaktionskosten - weniger Aufwand für Verträge und Regelungen, Sicherheitsmaßnahmen, Kontrollen und Auseinandersetzungen. Damit steigen Stabilität, Engagement, Produktivität, Investitionsbereitschaft und Innovationskraft.
 
Die Psychologen identifizieren vier - miteinander verbundene - gesellschaftliche Determinanten für ein Klima finanzieller Ehrlichkeit:

  • Liberalität
  • Tradition einer funktionsfähigen Demokratie
  • Protestantisch geprägte (säkularisierte) Zivilisation
  • Gleichberechtigung von Mann und Frau



Detlef Fetchenhauer, Thomas Goebbels: Lügen haben kleine Brieftaschen - ökonomische Konsequenzen und Determinanten finanzieller Ehrlichkeit im interkulturellen Vergleich.

in: Erich H. Witte, Tobias Gollan (Hrsg.) Sozialpsychologie und Ökonomie.

Pabst, Lengerich/Berlin, 256 Seiten, ISBN 978-3-89967-613-6









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