4. Berliner Methodentreffen Qualitative Forschung in Berlin: Mehr als 40 Expertinnen und Experten aus dem deutschsprachigen Raum vermittelten lebendig und praxisnah in kleinen Forschungswerkstätten und Workshops qualitative Forschungsmethoden, diskutierten in Plenarveranstaltungen Fragen der Zukunft qualitativer Forschung und debattierten Möglichkeiten der Kombination von qualitativer und quantitativer Forschung. Im Rahmen von zentralen Foyersveranstaltungen konnten sich die 450 Teilnehmenden zudem über Angebote und Ressourcen qualitativer Forschung informieren.
Am 4. und 5. Juli fand zum vierten Mal das Berliner Methodentreffen Qualitative Forschung statt, das aus dem Umfeld der Open-Access-Zeitschrift FQS (Forum Qualitative Sozialforschung / Forum: Qualitative Social Research) entstanden und mittlerweile die größte Veranstaltung ihrer Art im deutschsprachigen Raum ist. Für die Gesamtkonzeption und Durchführung zeichnet das Institut für Qualitative Forschung der Internationalen Akademie verantwortlich, das das Berliner Methodentreffen gemeinsam mit anderen Partnern innerhalb der Freien Universität Berlin – dem Fachbereich Psychologie und Erziehungswissenschaft und dem Center für Digitale Systeme (CeDiS) – veranstaltet. Externe Partner sind GESIS-ZUMA, das bundesweite Zentrum für Umfragen, Methoden und Analysen und die Hans-Böckler-Stiftung, beide ebenfalls von Beginn an dabei.
In diesem Jahr konnten 450 Wissenschaftler/innen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz teilnehmen; mehr als 300 weitere Interessierte konnten nicht mehr zugelassen werden, da das Konzept Arbeitsmöglichkeiten in angeleiteten Kleingruppen vorsieht; im Zentrum der beiden Tage stehen mehr als 30 parallel abgehaltene Forschungswerkstätten und Workshops, in denen für qualitative Forschung wichtige Ansätze vorgestellt und Fragen zu Design, Erhebung und Auswertung behandelt werden.
Gruppenangebote beim diesjährigen Berliner Methodentreffen waren: Biografische Fallrekonstruktion, Cultural Studies, Diskursanalyse, Qualitative Evaluation, Gattungsanalyse, Grounded-Theory-Methodologie, Gruppendiskussion, Hermeneutische Wissenssoziologie, Interpretation als Ko-Konstruktion, Interpretative Analytik, Interviews, Dialogische Introspektion, Kamera-Ethnografie, Konversationsanalyse, Metaphernanalyse, Objektive Hermeneutik, Projektwerkstatt Qualitativen Arbeitens, Qualitative Heuristik, Qualitative Inhaltsanalyse, Qualitative Medienanalyse, Repertory Grid Methodik, Sekundäranalyse, Subjektwissenschaftliche Praxisforschung, Teilnehmende Beobachtung, Tiefenhermeneutik/psychoanalytisch orientierte Sozialforschung, Triangulation, Typenbildung, Videoanalyse sowie Einführungen in ATLAS.ti und MAXQDA2007.
Besonders wichtig ist den Veranstaltenden, dass in den Workshops und Werkstätten mit dem Material der Teilnehmenden gearbeitet wird. Die Veranstaltung ist also keine klassische Tagung, sondern es wird ein Raum geboten für das gemeinsame Arbeiten und für Diskussion in kleinen Gruppen. Alle Workshops werden von Expertinnen und Experten geleitet, überwiegend von jenen, die den Forschungsstil repräsentieren oder entwickelt haben.
In diesem Jahr waren dabei: Jarg Bergold, Franz Breuer, Thomas Burkart, Bettina Dausien, Rainer Diaz-Bone, Arnulf Deppermann, Thorsten Dresing, Uwe Flick, Susanne Friese, Martin Fromm, Silke-Brigitta Gahleitner, Udo Göttlich, Jürgen Hoffmeyer-Zlotnik, Udo Kelle, Gerhard Kleining, Hubert Knoblauch, Anne Kuckartz, Thomas Leithäuser, Morus Markard, Sabine Marsch, Paul Mecheril, Irena Medjedovic, Günter Mey, Lothar Mikos, Elisabeth Mohn, Katja Mruck, Christine Müller, Sarah Paschelke, Jo Reichertz, Gabriele Rosenthal, Rudolf Schmitt, Werner Schneider, Bernt Schnettler, Christine Schönberger, Margrit Schreier, Claudia Töpper, Ernst von Kardorff, Andreas Wernet, Andreas Witzel.
Zur besonderen Komposition der Veranstaltung gehört, dass die Forschungswerkstätten und Workshops von zentralen Foyers- und Plenarveranstaltungen gerahmt werden. Die inhaltliche Eröffnung im Rahmen der Mittagsvorlesung widmete sich der Frage "Qualitative Forschung am Scheideweg" angesichts einer enormen Ausweitung und Differenzierung qualitativer Forschung bei gleichzeitig zunehmender Standardisierung. Im Rahmen des Symposiums zur Frage von Integrationsmöglichkeiten von qualitativer und quantitativer Forschung wurden diesmal die Chancen einer Kombination ausgelotet, aber es wurde auch auf die Grenzen und Gefahren einer vorschnellen und nur technisch vollzogenen "Mixtur" hingewiesen.
Im Foyer boten diesmal gleich drei verschiedene Sessions für beide Tage zusätzliche Anlaufpunkte. Traditionell dazu gehört die Postersession, bei der 17 Teilnehmende ihre laufenden Arbeiten präsentierten und diskutierten. Zudem wurde die beim letzten Treffen erstmals veranstaltete Fachmesse ausgedehnt; 16 Stände zu Lehre und Forschungsbegleitung, Tools und Software sowie Archive waren vor Ort.
ALLF, ATLAS.ti, audiotranskription, GESIS-ZHSF, GESIS-ZUMA, Institut für Qualitative Forschung, MAXQDA, myKoWi.net, NetzWerkstatt, open-access.net, Quasus, QuaText, SSOAR, Statistiklabor, VHA, Videolabor
Neu waren die Anwesenheit von drei Verlagen und die Session Meet-the-Editors, in deren Rahmen Herausgeberinnen und Herausgeber von zwölf Fachzeitschriften (davon die Hälfte sogenannte Open-Access-Journals, die ihre Inhalte kostenfrei anbieten) für qualitative Forschung und Methodenfragen Rede und Antwort standen.
Zeitschriften vor Ort waren: Diskurs, FQS, Gesprächsforschung.org, Historical Social Research (HSR), Journal für Psychologie, Methodology, MDA, Psychologie & Gesellschaftskritik, Querelles-Net, Sozialer Sinn, Soziologie & Berufspraxis, Zeitschrift für Erziehungswissenschaft
Das 4. Berliner Methodentreffen mit seinen verschiedenen Elementen kam bei den Teilnehmenden sehr gut an. Doch die Veranstaltenden vertrauen nicht allein auf erste Eindrücke, sondern von Beginn an wird das Berliner Methodentreffen und werden seine einzelnen Veranstaltungsteile (also auch alle einzelnen Werkstätten und Workshops) umfassend von GESIS-ZUMA evaluiert. In diesem Jahr wurde hierfür erstmals zu einer Online-Evaluation eingeladen.
Die Ergebnisse der Evaluation werden auf der Webseite des Berliner Methodentreffens veröffentlicht , ebenso zahlreiche Materialien, wobei neben Texten und Präsentationsfolien auch wieder durch das Center für Digitale Systeme aufbereitete Videofilme der Plenarvorträge sowie Kurzfilme und Fotos eingestellt werden, um die besondere Atmosphäre wiederzugeben.
Neben der Arbeit an der Dokumentation des diesjährigen Methodentreffens werden die Veranstaltenden wieder recht bald mit der Vorbereitung der Tagung des kommenden Jahres beginnen: Die Organisatoren werden auch hier wieder wie in den Jahren zuvor mit vollem Programm, Neuerungen und Überraschungen aufwarten.
Quellen / Links:
Im Internet:
www.berliner-methodentreffen.de
www.qualitative-research.net/fqs/
Kontakt:
Dr. Günter Mey, Institut für Qualitative Forschung in der Internationalen Akademie an der Freien Universität Berlin, Tel: 030 / 838-55725, E-Mail: mey@qualitative-forschung.de
Literaturhinweise:
Fitzek, H.: Inhalt und Form von Ausdrucksbildungen als Zugangswege zur seelischen Wirklichkeit – Ein Vergleich von Inhaltsanalyse und Morphologie als Methodenkonzepte der qualitativen Sozialforschung
Pabst, 448 Seiten, ISBN 978-3-89967-444-6
Luif, V.: Die Psychose als Erzählgeschehen – Eine textanalytische Tagebuchstudie
Pabst, 236 Seiten, ISBN 978-3-89967-280-0
Luif, V., Thoma, G., Boothe, B. (Hrsg.): Beschreiben – Erschließen – Erläutern. Psychotherapieforschung als qualitative Wissenschaft
Pabst, 476 Seiten, ISBN 978-3-89967-279-4