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07-07-08
Neue Behandlungsstrategie verringert Depressionen bei Krebspatienten


Ein neues Maßnahmenpaket – 'Depression Care for People with Cancer' (DCPC) – kann bei Krebspatienten den Schweregrad einer Depression verringern und die Lebensqualität im Vergleich zu gegenwärtigen Therapien kostengünstig verbessern, folgern die Autoren eines aktuellen Artikels.


Die Lebensqualität vieler Patienten mit medizinischen Leiden wie beispielsweise Krebs wird durch eine Major Depression (MDD) erheblich verringert, wobei jedoch Hinweise auf mögliche Behandlungen äußerst selten sind. Professor Michael Sharpe und Kollegen der psychologisch-medizinischen Forschung der University of Edinburgh bewerteten in der SmaRT-Oncology-1–Studie Wirksamkeit und Kosten eines neuen umfangreichen, durch Krankenschwestern vermittelten Maßnahmenpakets, dass für Krebspatienten mit Depressionen entwickelt wurde.

Die randomisierte, vom Cancer Research UK finanzierte Studie umfasste 200 Patienten eines regionalen Krebszentrums in Schottland. Alle Patienten hatten eine mehr als sechsmonatige Prognose und litten an einer Major Depression. Das mittlere Alter lag bei 56,6 Jahren, 141 (71 Prozent) waren weiblich. 99 Patienten wurden per Zufallsverfahren jener Standardbehandlung zugeteilt, die depressive Krebspatienten von ihrem Hausarzt und Krebsspezialisten erhalten, 101 Patienten erhielten zusätzlich die DCPC. Den DCPC-Patienten wurden im Verlauf von drei Monaten durchschnittlich sieben Einzelgespräche mit einer speziell auf Krebserkrankungen geschulten Krankenschwester angeboten. Diese Gespräche sollten den Patienten dabei helfen, Depression und Therapie, darunter Antidepressiva, zu verstehen und boten den Patienten problemlösende Hilfestellungen, damit diese ihre Gefühle der Hilflosigkeit überwinden konnten. Die Krankenschwester beriet die Therapiemaßnahmen auch mit den Krebsspezialisten und Hausärzten der jeweiligen Patienten. Nach Abschluss der Erstbehandlung überwachte die Krankenschwester den Fortschritt telefonisch und bot bei Bedarf weitere unterstützende Sitzungen an. Der Grad der Depression wurde in beiden Gruppen anhand des selbstbeurteilten Fragebogens 'Symptom Checklist-20' (Depressionswerte 0 bis 4) sowie durch Befragungen nach drei, sechs und zwölf Monaten gemessen.

Die Forscher stellten fest, dass die Depressionsgrade bei den DCPC-Patienten niedriger lagen (Unterschied von 0,34 auf der Werteskala). Der Anteil der Patienten mit einer Major Depression lag in der DCPC-Gruppe um 23 Prozent niedriger, zudem war der Nutzen dieser Eingriffe auf die Depressionen noch nach 12 Monaten erkennbar. Die DCPC-Maßnahmen verbesserten auch Angstgefühle und Erschöpfung, nicht jedoch Schmerzen und körperliche Leistungsfähigkeit. Die Kosten der DCPC lagen halbjährlich bei 336 englischen Pfund (knapp 400 Euro) pro Patient, was 5278 englischen Pfund je gewonnenem qualitätsadjustiertem Lebensjahr (QALY) entspricht. Die mittleren, pro gewonnenem qualitätsadjustiertem Lebensjahr gesparten Kosten betragen für übliche Krebstherapien etwa 10 000 englische Pfund, wodurch dieses 'Depression Care for People with Cancer'-Maßnahmenpaket denkbar kostenwirksam erscheint.

Die Autoren folgern: "Dieses 'Depression Care for People with Cancer'-Maßnahmenpaket bietet sich als praktikables, annehmbares und potenziell kostenwirksames Modell zur Therapie einer Major Depression bei Patienten mit Krebs oder anderen medizinischen Leiden an, die von speziellen medizinischen Einrichtungen betreut werden." Sie fügen hinzu: "Zehn Prozent der Krebspatienten erleiden eine klinische Depression, die unglücklicherweise nicht immer angemessen behandelt wird. Diese neue Therapie könnte unsere Vorgehensweise, wie wir Depressionen bei Patienten mit Krebs oder anderen schwerwiegenden medizinischen Leiden behandeln, wesentlich verbessern."

In einem begleitenden Kommentar bemerkt Professor Gary Rodin vom Princess Margaret Hospital des University Health Network im kanadischen Toronto: "In einer wohl durchdachten Studie haben Sharpe und Kollegen nachgewiesen, dass gezielt geschulte Krankenschwestern ohne vorangegangene psychiatrische Erfahrungen Krebspatienten mit einer Major Depression eine kostenwirksame gemeinschaftliche psychosoziale Maßnahme vermitteln können. Derartige mehrfaktorielle Maßnahmen sind in der Krebstherapie potenziell anwendbar und können von den Patienten als weniger diskriminierend wahrgenommen werden als die Überweisung zu einem psychiatrischen Facharzt."

(Vanessa Strong and others. Management of depression for people with cancer (SMaRT oncology 1): a randomised trial. Lancet 2008; 372: 40)



Quellen / Links:

www.thelancet.de/artikel/960969









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