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26-06-08
Fußballkult als Lebensersatz


Der Fußballkult eignet sich dazu, fehlende lebenswichtige Realität zu ersetzen. Etwa: Bei einem Zerfall des Sozialen und einer Atomisierung der Gesellschaft können sich Menschen als Masse im Stadion oder vor der Public Viewing-Leinwand der Illusion einer Gemeinschaft hingeben. Damit liefert das Fußballereignis "einen fragwürdigen Ersatz für wirklichen, durch gemeinsame solidarische Anstrengung erzeugten sozialen Zusammenhalt", kommentiert Prof. Dr. Gerhard Vinnai, analytischer Sozialpsychologe an der Universität Bremen.




"Wenn die eigene Mannschaft gewonnen hat, kann man sich selbst als Sieger fühlen und rauschhaft triumphieren - auch wenn man sonst im Alltag zu den Verlierern gehört. Der Miterlebte Sporttriumph soll wenigstens für einige Zeit" die Niederlagen im eigenen Alltag kompensieren.
 
Auch der Fußballprofi selbst, in seiner sexuellen Entwicklung häufig gehemmt, realisiert u.U. einen Lebensersatz. "Der Fußball als Sport unter Männern lebt von einer ausgeprägten latenten Homosexualität. Hier ´treiben´ es Männer mit Männern, die sich, nachdem sie beim Torschuss anderen Männern ihre Potenz bewiesen haben, lustvoll aufeinander werfen. Für ´echte´ Fans kommt der Fußball auf den Hund, wenn zuviele Frauen im Stadion sind. Zugleich müssen die homosexuellen Elemente dieses Treibens streng tabuisiert werden. Ein offen homosexueller Fußballspieler jagt seinen Mitspielern Angst ein, weil er diese Tabus infrage stellt.
 
Im Fußballbetrieb herrscht eine ausgesprochene Homophobie, die das schwierige Coming Out von homosexuellen Jugendlichen erschwert."



Quellen / Links:

Gerhard Vinnai: Fußball als Lebensersatz

in: Psychologie und Gesellschaftskritik Nr. 1/2008










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