Die Mehrheit der Traumatherapeuten hält es für wichtig, mit dem Patienten das Traumaereignis durchzuarbeiten. Diese Konfrontation als solche belastet Therapeuten häufig, traumatisiert sie jedoch fast nie. Allerdings: Wenn eine Durcharbeitung nicht gelingt, erleben Therapeuten u.U. schwerwiegende psychische Verletzungen, berichtet die Arbeitsgruppe um Prof. Dr. Harald C. Traue (Universität Ulm) in der aktuellen Ausgabe von "Verhaltenstherapie und Verhaltensmedizin".
In einer Studie wurden die Hindernisse auf dem Weg zur Trauma-Durcharbeitung untersucht; "etwas mehr als die Hälfte der Schwierigkeiten bezog sich auf die Psychopathologie der Patienten: Aggressionen oder andere posttraumatische Symptome. Die therapeutische Beziehung war in 34% der Fälle von schwierigen Situationen geprägt, insofern die Arbeitsbeziehung nicht aufgebaut werden konnte ... Immerhin elf Prozent der Schwierigkeiten bestanden in gewalttätigen Verhaltensweisen der Patienten, zumeist außerhalb des therapeutischen Settings. Die emotionale Belastung der Therapeuten war umso größer, je historisch näher die Ereignisse stattfanden.
Eine Regressionsanalyse zeigte, dass die Elemente des Burnout (auf Seiten des Therapeuten) eher mit organisatorischen Faktoren der therapeutischen Arbeit als mit Schwierigkeiten in der therapeutischen Arbeit selber in Beziehung standen. Solche Schwierigkeiten korrelierten eher mit emotionaler Belastung." Und: "Die Angabe von Stress im Arbeitsteam ist der stärkste Prädiktor für die Zugehörigkeit zur Frustrationsgruppe..."
Quellen / Links:
Beiträge in:
"Verhaltenstherapie und Verhaltensmedizin" 2/2008
Claudia Fliß & Claudia Igney (Hrsg.): Handbuch Trauma und Dissoziation – Interdisziplinäre Kooperation für komplex traumatisierte Menschen
Pabst, 384 Seiten, ISBN: 978-3-89967-475-0
Frommberger, U., Keller, R. (Hrsg.): Empfehlungen von Qualitätsstandards für stationäre Traumatherapie – Indikation, Methoden und Evaluation stationärer Traumatherapie in Rehabilitation, Akutpsychosomatik und Psychiatrie
Pabst, 188 Seiten, ISBN 978-3-89967-375-3
Manfred Zielke, Rolf Meermann, Winfried Hackhausen (Hrsg.): Das Ende der Geborgenheit? Die Bedeutung von traumatischen Erfahrungen in verschiedenen Lebens- und Ereignisbereichen: Epidemiologie, Prävention, Behandlungskonzepte und klinische Erfahrungen
Pabst, 586 Seiten, ISBN 978-3-89967-002-8