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17-06-08
Antisemitismus: häufiger als bisher angenommen


"Spätestens seit der Paulskirchen-Rede von Martin Walser (1998) ist eine zunehmende Bereitschaft in der deutschen Bevölkerung festzustellen, antisemitische Ressentiments öffentlich zu kommunizieren. Foren bieten sich vielfältig - Leserbriefe in Zeitungen oder im Internet", beobachten die Politikwissenschaftler Dres. Samuel Salzborn und Burkhard Brosig (Universität Gießen).


Bisherige quantitative Studien haben bei etwa 15 bis 20 Prozent der deutschen Bevölkerung Antisemitismus geortet. Die qualitative Umfrage der Gießener Gruppe führt zu einer weit höheren Schätzung.
 
Die Studie belegt, dass "Gefühle und Affekte", nicht jedoch "wirklich vorhandenes Wissen" für antisemitische Ambitionen verantwortlich sind. Betroffene "operieren mit Schlagwörtern oder Schlagbildern, die sie zumeist nicht genauer erklären oder historisch bzw. politisch einordnen können."
 
Auch zur eigenen Vergangenheit lassen die Antisemiten Unkenntnis und Desinteresse erkennen - bezüglich der persönlichen Familiengeschichte wie der deutschen Historie und des Nationalsozialismus.
 
Die Autoren interpretieren ihre Befunde mit "einer antisemitischen Angst vor der eigenen Vergangenheit, der man sich nicht stellen will, die lediglich verdrängt und vergessen werden soll, ohne dass man sie aufgearbeitet hätte. Insofern kann von einer symbolischen Wiederholung des Nationalsozialismus durch Erinnerungsabwehr und Schuldprojektion gesprochen werden."



Quellen / Links:

S. Salzborn, B. Brosig: Latenter Antisemitismus

in: Psychoanalyse, Nr. 2/2007, S. 157-177









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