Die ambulante Psychotherapie nahm innerhalb von sieben Jahren um 61% zu: Im Jahr 2000 waren 0,55 Prozent der Versicherten in Deutschland in Behandlung, im Jahr 2006 bereits 0,88 Prozent, ergab eine Studie des Instituts für Sozialmedizin, Epidemiologie und Gesundheitssystemforschung, MHH Hannover (im Auftrag der Gmünder Ersatzkasse). Verhaltenstherapie wird unwesentlich häufiger angewandt als psychoanalytische Verfahren.
"Im Jahr 2006 waren Frauen etwa doppelt so häufig von der Genehmigung einer Psychotherapie betroffen wie Männer. Bei männlichen Versicherten zeigen sich hohe Raten in den beiden Gruppen zwischen 10 bis 14 Jahren sowie 40 bis 44 Jahren - in allen Altersgruppen waren jedoch auch 2006 weniger als ein Prozent der Männer betroffen. Unter Frauen imponieren ausgesprochen hohe Raten im Alter zwischen 25 bis 29 Jahren; in dieser Altersgruppe wurde bei 2,3% der Frauen allein innerhalb des Jahres eine Psychotherapie genehmigt." Nach dem 60. Lebensjahr findet eine Psychotherapie nur noch selten, ab dem 75. Lebensjahr fast nie statt.
Bei der Betrachtung der Behandlungsergebnisse gingen die Studienautoren von der Annahme aus, "dass sich eine Psychotherapie positiv auf den Gesundheitszustand der Betroffenen auswirken würde. Ein besserer Gesundheitszustand sollte seinerseits - zumindest mittelfristig - zu einer reduzierten Inanspruchnahme des Gesundheitssystems führen, die in den Routinedaten einer Krankenkasse abgebildet werden kann." Die Untersucher beobachteten 3.607 erwachsene Patienten mit erst- und zugleich einmaliger Psychotherapie während der drei Folgejahre.
Das Ergebnis enttäuschte: Nach Kurzzeittherapien "zeichnen sich nur eher leichte und auch nicht durchgängig beobachtbare Effekte auf die Inanspruchnahme von Gesundheitsleistungen nach Therapiebeendigung ab."
Die Deutsche Psychotherapeutenvereinigung und der BVVP bezweifeln die Relevanz der Studie: Der Anstieg der Psychotherapie-Patienten auf 0,88 Prozent der Versicherten sei relativ bescheiden - gemessen daran, dass der reale Bedarf bei etwa 7% liege. Und: Die Inanspruchnahme von Gesundheitsdienstleistungen genüge nicht als Maßstab zur Bewertung des psychotherapeutischen Ergebnisses.
Die Studie ist online erschienen:
http://www.gek.de/ (GEK-Report ambulant-ärztliche Versorgung 2007)
Quellen / Links:
www.gek.de
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