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14-12-07
Das Besondere des Unscheinbaren – Ein neuer Band versammelt Texte des großen Psychiaters Wolfgang Blankenburg


Wolfgang Blankenburg war einer der Großen der deutschsprachigen Psychopathologie und Psychotherapie des 20. Jahrhunderts und hat Unverzichtbares für die Weiterentwicklung dieser Fächer geleistet. Er stand für eine anthropologisch und philosophisch orientierte Psychiatrie in der Nachfolge Karl Jaspers und Ludwig Binswangers. Interdisziplinäre Zusammenarbeit war für ihn schon eine Selbstverständlichkeit, als diese noch kein Schlagwort war.


Zum Beispiel arbeitete er in Heidelberg eng mit dem Philosophen Michael Theunissen zusammen. Vor seiner Zeit an der Universität Heidelberg lehrte Blankenburg in Freiburg und zuletzt war er Ordinarius und Leiter der Universitätsklinik für Psychiatrie in Marburg. Die Resonanz seiner Arbeiten war international fast größer als national. Viele seiner Texte, darunter seine Habilitationsschrift „Der Verlust der natürlichen Selbstverständlichkeit“ (1971), wurden in mehrere Sprachen übersetzt.

Umso erstaunlicher ist es, dass lange keine Buchpublikation mit dem Autor Blankenburg auf dem Markt war. Diese Lücke schließt jetzt ein im Parodos Verlag (Berlin) erschienener Band, der ansonsten schwer zugängliche Aufsätze aus allen Schaffensperioden Blankenburgs versammelt. Die für das Gesamtwerk repräsentative Sammlung von Texten orientiert sich an den Leitbegriffen und Grundkonzeptionen des Blankenburgischen Denkens. So finden sich wegweisende Beiträge zum Verhältnis von Philosophie und Psychiatrie, zum Leib-Seele-Problem, zur Daseinsanalyse und Anthropologie, zur dialektischen Betrachtungsweise in der Psychiatrie und der Psychopathologie der Freiheit. Die eher klinischen Aufsätze beschäftigen sich mit dem Thema des Wahns, einer Psychopathologie des „Common Sense“, dem Leidensdruck und der Ermöglichung von Therapie in der Futur-II-Perspektive. Der Band wird ergänzt durch eine Einleitung in das Werk, biographische Notizen und eine Bibliographie. Der diagnostischen und therapeutischen Relevanz des scheinbar Unscheinbaren in den Äußerungen und Handlungen seiner Patienten nachzugehen, war ihm stets ein Leitmotiv seiner Arbeit. Die von dem Herausgeber Martin Heinze (Bremen) in Zusammenarbeit mit Ute Blankenburg ausgewählten Texte werden daher unter dem Titel „Psychopathologie des Unscheinbaren“ veröffentlicht, unter dem Blankenburg selbst ein eigenes Buchprojekt plante, das er jedoch nicht mehr realisieren konnte.



Quellen / Links:

Wolfgang Blankenburg: Psychopathologie des Unscheinbaren. Ausgewählte Aufsätze. Herausgegeben von Martin Heinze, Parodos: Berlin, 292 Seiten, ISBN: 978-3-938880-16-6, Broschur, 22,00 EUR

 

 









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