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12-11-07
Psychologie: Wie die Augen den Ohren zuhören


Die Sinne arbeiten im Gehirn auf frühen Stufen zusammen.

 

Wenn wir TV-Nachrichten sehen, hören wir die Stimme aus dem Mund des Sprechers kommen, obwohl sie nicht von dort kommt, sondern von der Seite, von den Lautsprechern. So reihen sich die Sprecher ein in die Kunst des Bauchredens, die früh kultische Bedeutung hatte – die Babylonier ließen die Toten aus dem Bauch Lebender reden, das Altes Testament verbat es bei Todesstrafe, Hexen wurden dafür verbrannt –, und spät Unterhaltung wurde: 1770 nahm ein Baron von Mengen in Wien als erster eine Puppe in die Hand und unterlegte ihren bewegten Lippen die Worte, die aus seinem scheinbar unbewegten Mund drangen.


Wie die Augen den Ohren zuhören

Wie funktioniert die Illusion? Bisher ging man davon aus, dass jeder Sinn an ein eigenes Hirnzentrum meldet, und dass die Botschaft weiter geht an eine Zentrale, die alles beurteilt und integriert, bisweilen falsch. Aber die Sinne sind früher verschaltet, im Colliculus inferior (CI) etwa, das ist eine uralte Region, die dem Hören zugerechnet wird. Sie gehört aber auch zum Sehen, Jennifer Groh (Durham) hat es an Affen gezeigt: Bei ihnen wurden 180 Neuronen im CI mit Elektroden abgegriffen, dann gab Reize, optische und akustische: 67 Prozent der Neuronen reagierten auf beide (Pnas, 29.10.). „Visuelle und akustische Information werden zusammengebracht, bevor der ,denkende Teil‘ des Gehirns mitreden kann“, interpretiert Groh, die sicher ist, dass es bei Menschen auch so geht.

Offen bleibt, warum sich beim Bauchreden das visuelle Signal durchsetzt. Vermutlich deshalb, weil wir den Raum mit den Augen präziser abschätzen können als mit den Ohren, und weil es – das Lippenbewegen der Puppe – ein klares und deutliches Signal ist. Ist es das nicht, hören umgekehrt die Augen den Ohren zu, das zeigt Satoro Suzuki (Evanston). Ihm ging es nicht um Orientierung im Raum, sondern um Identifizierung eines Objekts. Testpersonen bekamen stilisierte Gesichter zu sehen, androgyne, sie sollten das Geschlecht zuordnen. Zur Unterstützung bekamen sie einen stilisierten Ton zu hören, der entweder im typisch männlichen Frequenzbereich lag (100 bis 150 Hertz) oder im typisch weiblichen (160 bis 300): Je nach Tonhöhe wurden die Gesichter zugeordnet (Current Biology, 17, S.1680).

Ob und wie stark auch die anderen Sinne im Konzert mit dabei sind – ob etwa typisch männliche und weibliche Düfte das Urteil ebenso fördern –, wollen die Forscher im nächsten Schritt klären.



Quellen / Links:

www.diepresse.com/home/techscience/wissenschaft/340193/index.do









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