Etwa jeder Zwölfte erleidet einmal im Leben eine Posttraumatische Stress-Erkrankung (PTSD). Frauen sind häufiger, Männer seltener betroffen. Die Erkrankung bleibt oft unerkannt und unbehandelt - mit meist schwerwiegenden Folgen. Kognitive Therapieverfahren und EMDR bieten die optimalen Behandlungschancen, empfiehlt die Deutschsprachige Gesellschaft für Psychotraumatologie (DeGPT).
Nach sexuellem Missbrauch, Gewaltdelikten, Unfällen, Mobbing oder anderen extremen Stress-Situationen kann die Erkrankung auftreten und missdeutet werden. PD Dr. Ulrich Frommberger (Offenburg) betont in den DeGPT-Empfehlungen, dass "PTSD keine homogene Reaktionsform ist, sondern unterschiedliche Verläufe im Sinne von akuter, verzögerter, chronischer und intermittierender Form zeigen kann."
Für eine effiziente Traumatherapie postuliert Dipl.-Psych. Rolf Keller (Überherrn-Berus) in den Empfehlungen ein Drei-Phasen-Modell:
- psychische Stabilisierung
- Konfrontation mit dem Trauma-Auslöser
- Integration des Traumas in das Lebenskonzept, Sinnfindung
Keller: "Eine wesentliche Bedeutung kommt der Ressorcenaktivierung zu. Grundlegend ist in diesem Zusammenhang das Konzept der Salutogenese. Dabei stehen nicht pathogenetische Bedingungen im Mittelpunkt, sondern gesundheitsfördernde Faktoren."
Frommberger zweifelt nicht daran, "dass der größte Teil der Patienten von einer Psychotherapie der PTSD deutlich profitiert. Die kognitive Verhaltenstherapie und EMDR gehören zu den effektivsten Methoden ... Dennoch behalten viele Patienten ein bedeutsames Ausmaß an restlicher Symptomatik."
Quellen / Links:
Ulrich Frommberger, Rolf Keller (Hrsg., für die Arbeitsgruppe "stationäre Traumatherapie" der Deutschsprachigen Gesellschaft für Psychotraumatologie (DeGPT)): Empfehlungen von Qualitätsstandards für stationäre Traumatherapie
Pabst, 188 Seiten, 2007, ISBN 978-3-89967-375-3
Manfred Zielke, Rolf Meermann, Winfried Hackhausen (Hrsg.): Das Ende der Geborgenheit? Die Bedeutung traumatischer Erfahrungen
Pabst, 2003, ISBN 978-3-89967-002-8
Tanja Zöllner, Anke Karl, Andreas Maercker, Edward J. Hickling: Manual zur Kognitiven Verhaltenstherapie bei posttraumatischen Verhaltensstörungen bei Verkehrsunfall-Opfern
Pabst, 2005, ISBN 978-3-89967-111-7