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29-05-07
LKW-Fahrer sind Opfer und Täter zugleich


Michael Knoll fand in seiner Diplomarbeit heraus, dass Fernfahrer ein besonderes Verhältnis zu ihrem Beruf und zu Gefahren haben.


LKW-Fahrer sind Opfer und Täter zugleich

Der Absolvent der TU Chemnitz, Michael Knoll, inzwischen Mitarbeiter an der Professur für Wirtschafts-, Sozial- und Organisationspsychologie, untersuchte in seiner Diplomarbeit, wie sich die berufliche Identität der Fernfahrer auf ihr Risikoverhalten auswirkt. Zum Hintergrund: Fahrer reagieren auf Maßnahmen zur Erhöhung der Sicherheit der Fahrzeuge mit einer höheren Risikobereitschaft. Juristische Ansätze, die versuchen, die Unfallgefahr durch Limits für Tempo und Lenkzeiten zu verringern, umgehen sie teilweise selbst.
In umfangreichen Interviews mit fünf Fernfahrern fand Knoll heraus, dass sich die Fahrer mit gegensätzlichen Anforderungen konfrontiert sehen: Sie sind oft auf sich allein gestellt. Obwohl ihnen die Familie viel bedeutet, verbringen sie die meiste Zeit alleine im Fahrerhaus. Einerseits übernehmen die Fahrer viel Verantwortung, andererseits sehen sie sich als letztes Glied einer Kette und unterliegen hohen Terminzwängen. Um mit dieser Situation zurecht zu kommen und sich von anderen Berufsgruppen abzugrenzen, entwickeln Fernfahrer eine besondere Berufsidentität: Sie sehen sich als unabhängig, hochgradig belastbar, männlich, verlässlich und sind zur Selbstaufopferung bereit.
"Dieses Selbstbild macht es LKW-Fahrern einerseits möglich, die widersprüchlichen Aspekte ihres Berufsalltags und die sowohl physisch als auch psychisch enorm belastenden Arbeitsbedingungen auszuhalten", so Knoll. Andererseits berge diese Berufsidentität auch Risiken: "Wenn für Fernfahrer unbedingte Verlässlichkeit und hohe Belastbarkeit zu ihrem beruflichen Selbstverständnis gehören, haben es Spediteure leichter, ihre Angestellten über das Zumutbare und gesetzlich Zulässige hinaus zu beanspruchen. Häufig sind es aber auch die Fahrer selbst, die, um ihre Leistungsfähigkeit unter Beweis zu stellen, Müdigkeit ignorieren und Risiken unterschätzen", ergänzt der Chemnitzer Psychologe.
Damit lassen sich aus seiner Studie interessante Schlüsse auch für das Thema Verkehrssicherheit ziehen. Denn sie zeigt, dass es nicht ausreicht, noch bessere Fahrzeuge zu bauen und Fahrtzeiten und -geschwindigkeiten stärker zu reglementieren. "Um die Sicherheit auf den Straßen zu erhöhen, muss sich auch die Berufsidentität der Fernfahrer entscheidend wandeln", meint Knoll. Dazu müssen diese allerdings erkennen, so sein Fazit, dass sie durch ihr eigenes Verhalten das System aufrechterhalten, dass sie in diesem schwierigen Beziehungsgeflecht "Opfer und Täter zugleich" sind.



Quellen / Links:

idw-online.de/pages/de/news210436

 

Schlag, B. (Hrsg.): Verkehrspsychologie. Mobilität – Sicherheit – Fahrerassistenz. Lengerich: Pabst. 392 Seiten, ISBN 978-3-89967-107-0, Preis: 25,- Euro.









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