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25-05-07
Schizoide Kinder mit ihren Tagträumen therapieren

"Allgemeine gesellschaftliche Wandlungen in Richtung einer Schizoidisierung" diagnostiziert der Psychoanalytiker Günther Horn. Die wichtigsten Symptome sind Kontaktschwäche, Misstrauen, Unberechenbarkeit, fehlende Geborgenheit.
Schizoidität kann bereits mit der Geburt einsetzen, wenn dem Säugling Zuwendung vorenthalten wird. "Es geht nicht nur um irgendeine spezielle Eigenschaft oder Befindlichkeit, sondern um das Erleben der Erwünschtheit auf dieser Erde schlechthin. Schizoidität tritt deshalb auch im späteren Erleben mehr oder weniger immer dann auf, wenn es um Leben und Weiterleben geht oder wenn durch schwere Traumen die eigene Existenz als bedroht erlebt wird." Zu den kritischen Phasen zählt Horn den "Eintritt in die Geschlechtsreife, das Ende der Fortpflanzungsfähigkeit und die relative Todesnähe": v.a. in diesen Zusammenhängen denken Schizoide häufig über Selbstmord nach. Für Horn "kommt es nicht von ungefähr, dass Schizoide dazu disponiert sind, in leitende Stellungen zu gelangen, in denen sie ihren fehlenden menschlichen Bezug durch Kontrolle über andere kompensieren können. Und es ist auch kein Zufall, dass für sie nichts schlimmer ist, als das Gesicht zu verlieren, weil sie eigentlich kaum eines haben, wenn man die Lebendigkeit mimischen Ausdrucks als Maßstab dafür nimmt." Horn behandelt Kinder (in Karlsruhe) und bildet junge KollegInnen in einem tiefenpsychologisch orientierten Verfahren aus: Die katathym-imaginative Psychotherapie (KIP) regt Tagträume an und lenkt sie unter der Regie des Behandlers auf bestimmte Inhalte. Horn hat das Verfahren verfeinert und an die einzelnen Entwicklungsphasen von Kindern und Jugendlichen adaptiert. In seinem Lehrbuch "Kindheit und Phantasie" beschreibt er die Methode detailliert und erläutert sie anhand konkreter Beispiele. Im Zentrum seiner Diagnostik und Therapie steht immer wieder die Schizoidität - eine häufig ignorierte Problematik.
Quellen / Links:
Günther Horn: Kindheit und Phantasie: Entwicklungsphasen im Spiegel innerer Bilder. 356 Seiten, ISBN 3-933151-04-X, Pabst.
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