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16-10-06
"Hirn-Doping" hilft Schizophrenen


Für Sportler ist Epo ein verbotenes Mittel zur Steigerung der körperlichen Leistung. Jetzt zeigt sich, dass das Hormon auch die geistigen Fähigkeiten erheblich verbessern kann. Für Schizophrene könnte es zu einem Medikament werden, das den Alltag wieder beherrschbar macht.


Erythropoietin
Erythropoietin

"Statt gesunde Sportler grundlos zu immer besseren Leistungen zu treiben, sollte man Epo lieber als potentielles Hirn-Doping testen", fordert Hannelore Ehrenreich vom Max-Planck-Institut für Experimentelle Medizin. So könnte das Hormon "den Menschen helfen, die es tatsächlich brauchen". Der Hintergrund ist das Ergebnis einer Langzeitstudie von Ehrenreich und ihren Kollegen. Sie hat den Forschern zufolge gezeigt, dass das als Dopingmittel für Ausdauersportler berüchtigte Erythropoietin einige Folgen von Schizophrenie lindern kann.
Die Neurowissenschaftler hatten Patienten mit chronischer Schizophrenie drei Monate lang einmal pro Woche Epo verabreicht. Eine Kontrollgruppe erhielt nur ein Scheinpräparat. In den folgenden Monaten wurden die kognitiven Fähigkeiten getestet, die Schizophrene teilweise verlieren: Die Kranken sind unaufmerksam, haben Gedächtnisprobleme und Schwierigkeiten, vorausschauend zu planen und den Alltag zu bewältigen.

Epo schützt auch Neuronen
Die regelmäßige Gabe von Epo verbessere die geistigen Leistungen von Schizophrenie-Kranken erheblich, berichten das Max-Planck-Institut für Experimentelle Medizin und das DFG-Forschungszentrum Molekularphysiologie des Gehirns. Der Grund: Epo rege nicht nur - wie bei gedopten Sportlern beabsichtigt - die Bildung roter Blutkörperchen an. Es habe auch eine Schutzfunktion für Nervenzellen, schreiben die Forscher in einer Online-Vorabveröffentlichung des Fachjournals "Molecular Psychiatry". Die mit Epo behandelten Patienten schnitten vor allem in jenen Tests klar besser ab als die Kontrollgruppe, in denen untersucht wurde, wie die Patienten ihren Alltag bewältigen.
Weltweit ist nach Angaben der Forscher etwa ein Prozent der Bevölkerung von Schizophrenie betroffen. Die Patienten verlieren nicht nur die erwähnten kognitiven Fähigkeiten, sondern leiden unter Verfolgungswahn, Halluzinationen und sozialem Rückzug. Diese Symptome hätten sich durch die Epo-Behandlung allerdings nicht verändert, erklären die Wissenschaftler.
Ungefährlich ist das oft als Dopingmittel missbrauchte Hormon Erythropoietin nicht: Unkontrolliert angewendet, kann Epo sogar zum Tod führen - das Blut verdickt sich, was die Gefahr von Thrombosen, Kollaps und Infarkt steigert.



Quellen / Links:

www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,442474,00.html









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