Italienische Wissenschaftler sind davon überzeugt, dass vom Körper bei Stress, Hunger, Schmerzempfinden und Entzündungen gebildeten Haschisch-ähnliche Substanzen, die so genannten Endocannabinoide, das Gehirn vor Schäden durch Erkrankungen wie der Alzheimer-Krankheit schützen können. Das lassen neue Forschungsergebnisse vermuten, die Dr. Vincenzo Di Marzo vom Institut für Biomolekulare Chemie des Italienischen Forschungsrats am Dienstag, den 11. Juli in Wien auf dem Forum of European Neuroscience Societies (FENS) vorstellt. Danach können Endocannabinoide bei Erkrankungen des Gehirns helfen, Zellen zu schützen oder zu reparieren.
In Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern der Universitäten von Neapel, Catania und Cagliari entdeckte Dr. Di Marzo, dass Endocannabinoide allerdings ihre Wirksamkeit verlieren können, wenn sie entweder zu lange oder zu spät nach Auftreten einer Erkrankung im Organismus ausgeschüttet werden. Andererseits habe sich gezeigt, dass sie in akuten Krankheitsfällen, zum Beispiel bei Ischämien (plötzlich auftretende Blutleere) vorübergehend erhöht sind und auch Zellen vor dem Untergang schützen.
Es komme deshalb darauf an, diesen Schutzmechanismus zu entschlüsseln, um zu klären, wann es sinnvoll ist, die Ausschüttung von Endocannabinoiden zu stimulieren oder zu unterbinden.
Aus diesem Grund erforschten Di Marzo und seine Kollegen in Neapel die Wirkung von Endocannabinoiden auf hirngeschädigte Nagetiere. Es zeigte sich, dass eine früh nach der Erkrankung einsetzende Behandlung, die zu erhöhten Endocannobinoid-Spiegeln führte, die Nervenzellen möglicherweise vor der Zerstörung durch Ablagerungen des beta-Amyloid Proteins schützt, das als Ursache für die Alzheimer-Krankheit angesehen wird, und ebenso auch vor Gedächntnisverlust bewahren kann.
Jetzt suchen die Forscher nach neuen Medikamenten auf der Basis von Endocannabinoiden, mit denen sich die Ausschüttung der körpereigenen Substanzen steuern lässt. Haschisch, so die Forscher, aktiviert die gleichen Signalwege wie die körpereigenen Endocannabinoide. Dies erkläre auch, weshalb Endocannabinoide, wenn sie in Tierversuchen zu medizinischen Zwecken eingesetzt werden, Entzündungen lindern und eine Schädigung von Nervenzellen bei neurologischen Erkrankungen in Grenzen halten können.
Quellen / Links:
idw-online.de/pages/de/news167677
(Bild: W&B/Medizinische Hochschule Hannover)