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23-03-18
Killing on demand: Wie die chinesische Transplantationsindustrie funktioniert

China ist weltweit das einzige Land, in dem Gefangene systematisch hingerichtet und zur Organentnahme ausgeschlachtet werden, berichtet der Pharmakologe Professor Dr. Huige Li (Mainz) in seinem Beitrag zum aktuellen Fachbuch "Ethical, Legal and Psychosocial Aspects of Transplantation". David Kilgour, ehemals kanadischer Außenminister, kennzeichnet die aktuelle Praxis in China mit den Begriffen "Massenmord" und "Transplantationsindustrie". Der bisherige Vorsitzende der Deutschen Transplantationsgesellschaft Professor Dr. Björn Nashan, wegen "herrischen Führungsstils" im Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf ausgeschieden, hat wieder eine Führungsposition - im Anhui-Provinzhospital in China. Er versichert, nach europäischen ethischen Prinzipien zu arbeiten.

 



 

 

Chinesische Regimevertreter versicherten im Jahr 2014, die zwangsweise Organentnahme von Strafgefangenen einzustellen. Huige Li: "Es gibt jedoch bis heute weder ein Gesetz, noch irgendein Dekret, das die zwangsweise Explantation von Gefangenen untersagt; sie ist nach wie vor legal." Sie hat allerdings einen formal veränderten Charakter erhalten: Der Spender willigt ante mortem "freiwillig" ein.

 

In chinesischen Arbeits- und Umerziehungslagern werden mehrere hunderttausend, evtl auch mehr als eine Million politisch missliebige Personen gefangen gehalten: Tibeter, Uyghuren, Christen - und vor allem Chinesen, die Falun Gong praktizieren. Falun Gong ist eine Weiterentwicklung der QiGong-Meditation - verbunden mit einer buddhistischen Weisheitsphilosophie. Zunächst hat das chinesische KP-Regime Falun Gong gefördert; doch die Bewegung entzog sich mehr und mehr fiskalischer Kontrolle, und sie erreichte mehr Anhänger als die Kommunistische Partei. Daher sieht das Regime seit Ende der 1990er Jahre in Falun Gong einen Staatsfeind. Huige Li: Die Zusicherung aus dem Jahr 2014 galt ausdrücklich nicht für diese Gruppen Inhaftierter ("prisoner of conscience"). "Es gibt erdrückende Belege dafür, dass diese Gefangenen je nach ´Bedarf´ hingerichtet und ausgeschlachtet werden."

 

David Kilgour, Ethan Gutman und David Matas dokumentieren in ihrem detaillierten Report "Bloody Harvest - The Slaughter", dass Falun Gong-Anhänger in den Lagern systematisch medizinisch untersucht werden; ihre Charakteristika werden in EDV-Systemen erfasst - und stehen für den Abgleich mit potentiellen Organempfängern zur Verfügung.

 

Dr. Huang Jiefu, im Regime zuständig für Transplantation, behauptete zwar 2015, staatliche Kliniken nutzten Gefangene nicht mehr als unfreiwillige Organspender; doch er könne dies für nichtstaatliche Kliniken kaum ausschließen. Es gebe nach wie vor Korruption im Medizinalbetrieb. Wieweit das Big Business Transplantation staatlich toleriert oder gefördert oder gelenkt wird, lässt sich schwer einschätzen. Sicher ist, dass das staatliche Repressionssystem und die Gesundheitswirtschaft eng miteinander kooperieren. Zur ökonomischen Optimierung haben chinesische Staatsunternehmen die notwendigen Medikamente - insbesondere Immunsuppressiva - kopiert.

 

Das Regime gibt knapp dreitausend Organspender jährlich an. Da überraschen nicht nur Huige Li Offerten chinesischer Spitäler für zahlungskräftige In- oder Ausländer: Ein zum Empfänger passgenau kompatibles Organ lasse sich innerhalb von drei bis dreißig Tagen beschaffen. David Kilgour nennt derartigen Service "Killing on demand".

 

Offiziell beziffert das Regime ca. 10.000 Organtransplantationen pro Jahr. Die Arbeitsgruppe Kilgour, Gutman, Matas hat sich bei den einzelnen Kliniken erkundigt und summiert im Gesamtergebnis 60.000 bis 100.000 Organtransplantationen im Jahr - mit steigender Tendenz, zunehmend internationaler Kundschaft und wachsenden Preisen. Der Organhandel ist allerdings - soweit bekannt - nicht zentral gesteuert, sondern wird von den einzelnen Kliniken individuell kalkuliert und betrieben. Eine Leber lassen sich Empfänger annähernd eine viertel Million Dollar, ein Herz ("fresh heart") eine halbe Million Dollar kosten. Für Chinesen mit niedrigem oder mittlerem Einkommen ist damit eine Transplantation unerreichbar. 

 

Der deutsche Chirurg Björn Nashan bekleidete diverse einflussreiche Funktionen in der deutschen Transplantationsszene. Er gibt an, sich auch in China entsprechend europäischen Transplantationsregeln zu verhalten, also an keiner Form von Organhandel oder unfreiwilliger Organspende zu partizipieren. Die Skepsis und Kritik in der europäischen Fachwelt sind unüberhörbar. Daher tritt Nashan von allen Ämtern in Deutschland zurück. Wohlwollende Kollegen empfehlen dennoch: Lasst dem Mann die Chance, seine Zusagen einzuhalten ...

 

 




Huige Li: Current status of organ harvesting from prisoners in China. In: E.K. Massey, F. Ambagtsheer, W. Weimar (Eds.) Ethical, Legal and Psychosocial Aspects of Transplantation. Pabst 2017, 260 pages. ISBN print 978-3-95853-292-2. ISBN eBook 978-3-95853-293-9

 

 

David Kilgour, Ethan Gutman, David Matas: Bloody Harvest - The Slaughter. Update 2016. www.endtransplantabuse.org/wp-content/uploads/2016/06/Bloody_Harvest-The_S









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