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29-11-17
Forensische Psychotherapie: Mutter-Baby-Therapiegruppe in Haft

Forensische Psychotherapie: Wenn Straftäterinnen in Haft Mutter werden, kann ihre Resozialisierung gewinnen. Doch möglicherweise können auch psychosoziale Komplikationen zunehmen. Pamela Windham Stewart hat Mutter-Baby-Therapiegruppen im Gefängnis aufgebaut und berichtet über ihre Erfahrungen in der aktuellen Ausgabe von "Forensische Psychiatrie und Psychotherapie".


"Trotz der nach außen demonstrierten Angeberei und Prahlerei sind die meisten schwangeren Frauen entsetzt darüber, im Gefängnis zu sein, und sie schämen sich sehr, dass ihr Kind in Haft geboren wird.
 
Die Frauen, von denen sich viele sowieso schon Sorgen um ihre daheim zurückgebliebenen Kinder machen, fühlen sich schuldig, ein neues Baby bei sich zu haben. Die Inhaftierung von Frauen hat verheerende Folgen für die Familien zuhause. Viele Kinder werden tatsächlich zu Waisenkindern, während die Mutter in Haft ist. Zerbrochene Beziehungen - nicht nur mit der Mutter -, der Umzug in ein neues Zuhause, Unterbrechungen in der Schullaufbahn und die Unterbringung in einer Pflegeeinrichtung - all dies erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass die vernachlässigten Kinder der Mutter später ins Strafjustizsystem folgen.
 
Auf vielerlei Art und Weise spiegelt das Gefängnissystem die zerbrochenen Bindungen in der Kindheit der Betroffenen wider und bewirkt eine Wiederholung dieser frühen Erfahrungen."
 
Windham Stewart geht in der Arbeit mit ihren Therapiegruppen davon aus, dass die initiale Mutter-Kind-Beziehung v.a. für die Entwicklung des Kindes grundlegend ist. Die Therapeutin versucht, "die Fähigkeit der Mutter zu fördern, über ihre eigenen Erfahrungen und Gefühle nachzudenken, was ihr helfen soll, mit ihrem Baby so umzugehen, dass es mehr wird als nur die Wiederholung ihrer eigenen früheren Erfahrungen. Je spielerischer und bewertungsfreier ich mit den Frauen umgehen kann, desto besser kommt die Gruppe voran."
 
Windham Stewart berichtet über ein Labyrinth von Emotionen - und auch Überraschungen, z.B.: "Wenn Frauen, die von Vätern oder anderen Männern brutal missbraucht worden waren, sich einen Sohn wünschen, kann es schwierig sein, mit ihnen in der Gruppe zu arbeiten. Wenn man die schwangeren Frauen fragte, warum sie sich einen Sohn wünschten, waren die Antworten immer vage; es kamen Antworten wie einen Sohn zu haben, der sie beschützen würde - bis hin zur Einschätzung, dass man sich um Jungen weniger sorgen müsse. Männer scheinen von Frauen mehr geschätzt zu werden als Frauen ..."




Forensische Psychiatrie und Psychotherapie 3/2017









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