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23-11-17
Familienmedizin: Wie Chancen der Prävention genutzt werden können

Die Sterblichkeit von Kindern und Müttern ist während der vergangenen Jahrzehnte dramatisch zurückgegangen. Anderseits hat die Familienmedizin neue Herausforderungen und Aufgaben - in erster Linie in der Prävention somatischer und psychischer Störungen. Dr. Jürgen Collatz und Kollegen bieten in ihrem Handbuch "Familienmedizin in Deutschland" einen Überblick und plädieren "für eine inhaltlich orientierte Gesundheitsreform".


Beispielhaft berichten der Pädiater Professor Dr. Karl E. Bergmann und Kollegen (Charite Berlin), dass junge, werdende Eltern ein hohes Gesundheitsbewusstsein entwickeln und daher für eine nachhaltige Gesundheitsberatung gut empfänglich sind. "Auf dieser Grundlage wurde in einer kontrollierten Studie geprüft, inwieweit vorausschauende Beratung junger Eltern etwas bewirkt. Und in der Tat erwies sich diese Beratungsform als wirksam, d.h. Kenntnisse und Fähigkeiten der Eltern wurden verbessert, viele wichtige Krankheiten und Gesundheitsrisiken der beiden ersten Lebensjahre wurden vermindert und die psychomotorische Entwicklung signifikant verbessert."
 
Bergmann und Kollegen nennen Beispiele für Risiken und Krankheiten im Säuglings- und Kindesalter, die zumindest teilweise vermeidbar sind:

  • Infektionskrankheiten
  • Verletzungen
  • Mangel- und Fehlernährung
  • Bewegungsmangel
  • Zahnkaries, Nuckelflaschenkaries
  • Gebissfehlstellungen
  • Diarrhoe, hypertone Dehydratation
  • Otitis media
  • Harnwegsinfekte
  • Windeldermatitis
  • Passivrauchen

Darüber hinaus nennen die Autoren eine wesentlich größere Zahl an lebenslangen Gesundheitsrisiken, die bereits während der Schwangerschaft und während der ersten Lebensjahre günstig beeinflussbar sind.
 
Professorin Dr. Mechthild Neises beschreibt die psychosomatischen Belastungen und Gefährdungen von Frauen:

  • Rund-um-die-Uhr-Verfügbarkeit für die Familie
  • Geringe Anerkennung für die Familienarbeit
  • Konflikte zwischen Familie und Erwerbstätigkeit

"Unter den bestehenden gesellschaftlichen Bedingungen sind berufliche Erfolge und die Selbstdefinition über Leistungen und Fähigkeiten in diesem Bereich immer noch weitgehend männliches Terrain und damit lebensgeschichtlich überwiegend an den Vater geknüpft. Findet eine Selbstdefinition primär über Familienbezug und Mutterschaft statt, steht dies unter der Spannung, einerseits zwar weibliche Potenz zu repräsentieren, anderseits aber von kulturellen Entwertungen geprägt und mit spezifischen Einschränkungen sowie Abhängigkeiten konfrontiert zu sein ..."
 
Derartige schwer auflösbare Dilemmata beschreibt die Gynäkologin als Hintergrund zunehmender psychosomatischer Erkrankungen: Depression, Angststörungen, Medikamentenabhängigkeit, Essstörungen usw.. Für Vorbeugung und Therapie eignen sich in erster Linie psychosomatische und soziale Ansätze.
 
Alle Beiträge des Buches zu den unterschiedlichen Problemfeldern zeichnen einen derart breiten Fokus - und lassen erkennen: Es ist sehr viel mehr machbar als häufig angenommen.




Jürgen Collatz (Hrsg.) Familienmedizin in Deutschland. Notwendigkeit, Dilemma, Perspektiven. Pabst, 340 Seiten, ISBN 978-3-89967-614-3









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