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17-07-17
Lernt man mit Humor besser?

Ob eine Schülerin oder ein Schüler im Unterricht „was zu lachen hat“ (oder eben nichts), hängt so, wie man diese Redensart gemeinhin versteht, sicher von jeweils vielen verschiedenen Faktoren ab. Ganz unabhängig davon wird im Unterricht von StR. Ulaṣ Incedal am Hariolf-Gymnasium in Ellwangen an der Jagst immer viel gelacht – allein deshalb schon, weil für den Gemeinschaftskundelehrer der Humor in den Unterricht gehört wie das Salz in die Suppe. Gerne war Incedal deshalb bereit, bei einem Experiment des Augsburger Lehrstuhls für Psychologie mitzumachen. Bei diesem Experiment geht es darum, die in mehreren Vorstudien gewonnene Annahme zu bestätigen, dass Humor, wenn er von der Lehrerin oder vom Lehrer richtig eingesetzt wird, den Lernerfolg der Schülerinnen und Schüler fördert.


© contrastwerkstatt - Fotolia.com

Privatdozentin Dr. Sonja Bieg forscht am Lehrstuhl für Psychologie der Universität Augsburg gemeinsam mit Prof. Dr. Markus Dresel bereits seit geraumer Zeit zu der Frage, wie Lehrerhumor auf Schülerinnen und Schüler wirkt. Sie haben dabei bislang vier verschiedene und ganz unterschiedlich bei den Schülerinnen und Schülern „ankommende“ Formen des Lehrerhumors definiert: denjenigen mit und denjenigen ohne Bezug zum Lerngegenstand, weiterhin den selbstabwertenden Humor und viertens den aggressiven Humor.

Entscheidend: auf den Lerngegenstand bezogen muss er sein

„In erster Linie konnten wir bislang zeigen, dass die Schülerinnen und Schüler mehr Freude, weniger Langeweile sowie weniger Ärger erleben, wenn die Lehrerin oder der Lehrer Humor einsetzt, der auf den Lerngegenstand bezogen ist“, berichtet Bieg, „wohingegen aggressiver Humor der Lehrkraft eher das Gegenteil bewirkt: weniger Freude am Unterricht, mehr Langeweile und mehr Ärger.“

Kontraproduktiv: „gegenstandsloser“ und aggressiver Humor

Lehrerhumor beeinflusse aber nicht nur das emotionale Unterrichtserlebnis, er stehe vielmehr auch in enger Beziehung zu „harten“ Unterrichtsmerkmalen wie Lehrer-Schüler-Beziehung oder Interessantheit und Klarheit des Unterrichts. „Auch hier gilt unseren Studien zufolge“, so Dresel, „dass Humor, der im direkten Zusammenhang mit dem jeweiligen Unterrichtsgegenstand steht, die Beziehung der Lehrerin oder des Lehrers zu den Schülerinnen und Schülern verbessert und dass der Unterricht als interessanter und klarer wahrgenommen wird.“ Aggressiver Humor beeinträchtige hingegen v. a. die Beziehungsebene, und Humor, der in keiner Beziehung zu dem steht, was gelernt werden soll, lasse das Interesse am Lerngegenstand sinken und stifte eher Unklarheit.

Die bisherigen Studien, die sich mit Blick auf die unterschiedlichen Humor-Ausprägungen wechselseitig stützen, legen den Schluss nahe, dass der Humor, den die Lehrperson in den Unterricht „investiert“ dann, aber auch nur dann, wenn er eng mit dem Stoff, den es zu vermitteln bzw. zu lernen gilt, zu tun hat, das Lernverhalten der Schülerinnen und Schüler befördert. Diese Art des Lehrerhumors hilft den Schülerinnen und Schülern, das, was es zu lernen gilt, differenziert zu erfassen und zu verarbeiten.

Ellwanger Experiment: im Probelauf geglückt

„Damit wir diese These experimentell stützen können, hat sich der Gemeinschaftskundelehrer Ulaṣ Incedal am Ellwanger Hariolf-Gymnasium – engagiert unterstützt von Schulleiter OStD. Martin Ries – dankenswerterweise bereiterklärt, sich mit einem Experiment am Fortgang unseres Projekts zu beteiligen“, erzählt Bieg. Da für ihn Humor alltäglicher Unterrichtsbestandteil sei, habe Incedal dies als eine Selbstverständlichkeit empfunden und eine Unterrichtsstunde entworfen, in der verschiedene Elemente des gegenstandsbezogenen Lehrerhumors berücksichtigt wurden. Bei einem ersten Probelauf in seiner 10. Klasse hätten die Schülerinnen und Schüler begeistert am Unterricht teilgenommen.

Unterrichtsfilme für breite empirische Basis

Anhand der entscheidenden Unterrichtssequenzen wurden in Zusammenarbeit mit dem Medienlabor der Universität Augsburg und StR. Incedal kurze Unterrichtsfilme produziert. „Wir können diese nun von einer Vielzahl von Schülerinnen und Schülern beurteilen lassen, um unser Experiment auf eine breite Basis zu stellen und“, so Dresel weiter, „wir zeigen damit, in wie weit gegenstandsbezogener Humor den Schülerinnen und Schülern hilft, besser zu lernen."




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