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16-06-17
Drogen plus Sex: Die schwule Chemsex-Szene wächst

Chemsex: Männer, die Sex mit Männern haben, verstärken ihn oft durch gleichzeitigen Drogenkonsum. Die exzessive Erlebnisintensität des Chemsex bezahlen Betroffene mit hohen gesundheitlichen Risiken. Die Übertragung von HIV und anderen Infektionskrankheiten ist extrem häufig. Die erste deutsche Studie über den zunehmenden Chemsex veröffentlichen Professor Dr. Daniel Deimel und Kollegen in der aktuellen Ausgabe von Rausch - Wiener Zeitschrift für Suchttherapie.


Die betroffenen Männer erleben in ihrer Szene eine starke Fokussierung auf Körperlichkeit. Über neue digitale Medien werden insbesondere Verabredungen für Chemsex-Sessions getroffen. Neben halböffentlichen Räumen wie spezifischen Kneipen, Bars, Saunen und Darkrooms, in denen Sex kommerzialisiert stattfindet, existieren private, nichtöffentliche Partys. Berlin gilt als Hauptstadt der Szene.
 
Die Chemsex-Partys "haben eine hohe Bedeutung für das Erleben von Gemeinschaft und ermöglichen das Gefühl von Zugehörigkeit zu einer sozialen Gruppe. Insbesondere durch Amphetamine ist es möglich, über längere Zeiträume wach zu bleiben und zu feiern. Die Partys ermöglichen es, Freunde zu treffen, Zeit mit Gleichgesinnten zu verbringen, neue Kontakte zu schließen und ggfs. Sexualpartner zu finden.
 
Die Gemeinschaft ist hier ein Ort, wo das Individuum sein kann, wie es ist - ohne Angst vor Diskriminierungen und Anfeindungen. Um diese soziale Komponente nutzen zu können, spielen Drogen eine entscheidende Rolle. Sie ermöglichen es, offener zu sein, sich selbstbewusst in der Gemeinschaft zu bewegen und ggfs. soziale Ängste abzubauen. Daneben modifizieren Drogen die sexuelle Performanz: Erst durch sie wird es möglich, über Stunden und Tage hinweg sexuell aktiv zu sein. Das Grundbedürfnis nach physischer Nähe und Sexualität wird hierdurch schnell und sehr stark befriedigt," schreibt Daniel Deimel.
 
Das Chemsex-Szenario wird vor dem Hintergrund deutlich, dass homo- und bisexuelle Jugendliche nach wie vor diskriminiert und ausgegrenzt werden. "Erfahrungen mit Mobbing scheinen bei schwulen Jugendlichen weit verbreitet zu sein: verbale Anmache, Beschimpfungen und andere Gewalterfahrungen. Die Auswirkungen reichen von Verunsicherung, Selbstzweifeln, Traurigkeit, Angst, Wut, Rückzug, Verlust an Selbstwertgefühl, Drogengebrauch, bis hin zu Depressionen und Selbstmordversuchen.
 
Charakteristisch ist, dass viele Jugendliche versuchen, ihre wahren Gefühle über einen längeren Zeitraum zu verdrängen. Während der teils jahrelangen Unterdrückung der tatsächlichen geschlechtlichen oder sexuellen Identität entwickeln sich bei einigen Jugendlichen therapierelevante psychische und psychosomatische Symptome..."




Daniel Deimel (Hrsg.): Chemsex - Drogenkonsum bei Männern, die Sex mit Männern haben. Rausch - Wiener Zeitschrift für Suchttherapie 4/16-1/17

 

Christine Schierano, Gary R. Potter: Sex & drugs & EDM: the use and distribution of drugs within a London chemsex scene. In: Aileen O´Gorman et al. (Eds.) Evidence in European social drug research and drug policy. Pabst 2017. ISBN paperback 978-3-95853-263-2. ISBN e-book 978-3-95853-264-9.









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