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15-05-17
Online Dating: Die zufriedensten Ehepaare

Online-Dating-Plattformen haben sich als beliebtes Mittel zur zielgerichteten Partnersuche herausgebildet, sei es nun für eine langfristige Beziehung oder für kurze sexuelle Kontakte. Wissenschaftler der Hochschule Fresenius, Fachbereich Wirtschaft & Medien in Köln, geben einen aktuellen Forschungsüberblick zum Thema Online-Dating.


© Lincoln Rogers - Fotolia

Ob dauerhafte Beziehung oder kurzer erotischer Kontakt: Online-Dating-Plattformen suggerieren, dass jeder schnell und einfach das finden kann, was er sucht. Doch Männer und Frauen verhalten sich bei der Partnersuche im Internet sehr unterschiedlich, wie Wera Aretz, Dominic-Nicolas Gansen-Ammann, Katja Mierke und Annika Musiol von der Hochschule Fresenius, Fachbereich Wirtschaft & Medien Köln, in ihrem Forschungsüberblick festgestellt haben.

Bei der Partnersuche im Internet geht es zu wie im echten Leben: Es kommt auf die Vermarktung an. Die Art und Weise der Selbstdarstellung bestimmt das Ausmaß der Aufmerksamkeits- und Kontaktchancen. Durch das Fehlen der physischen Präsenz müssen Online-Dater über besondere Selbstpräsentations-Kompetenzen verfügen. Ein gewisses Maß an Übertreibung scheint dabei zum Erhalt der Wettbewerbsfähigkeit nötig zu sein: Frauen schummeln bei den Angaben eher bei Alter und Gewicht, Männer übertreiben Größe und Einkommen oder verfälschen ihren aktuellen Beziehungsstatus. Auf den Profilfotos lächeln Frauen mehr, neigen ihren Kopf eher nach unten und lassen sich häufiger in Innenräumen fotografieren, um häuslich zu wirken. Männer hingegen inszenieren Maskulinität, Reife und Gesundheit, indem sie Fotos aus einem Aufnahmewinkel nutzen, der sie größer erscheinen lässt. Um den Eindruck von Robustheit, Abenteuerlichkeit und Athletik zu vermitteln, demonstrieren sie häufiger Muskelkraft und lassen sich öfter im Freien fotografieren.

Interessant ist die Erkenntnis, dass Paare, die sich online kennengelernt hatten und später heirateten, eine höhere Ehezufriedenheit und weniger frühe Scheidungen aufwiesen als jene, die sich auf herkömmlichem Wege kennengelernt hatten. Die Forscher der Hochschule Fresenius führen hier eine Befragung von 20.000 US-Amerikanern an, die zwischen 2005 und 2012 geheiratet haben. Die höhere Ehezufriedenheit bei online angebahnten Beziehungen könnte den Forschern zufolge an der größeren Auswahl potenzieller Partner und am Matching-System der Vermittlungsseiten liegen, das Suchende nach dem Ähnlichkeitsprinzip zusammenführt. Zudem wird vermutet, dass die Persönlichkeit der Nutzer, die Motivation, eine Langzeitbeziehung einzugehen und die Bereitschaft, im Online-Kontext mehr von sich preiszugeben, Einfluss auf den Partnerschaftserfolg nehmen.

Grundsätzlich lässt sich über das Online-Dating sagen, dass beide Geschlechter häufiger Menschen kontaktieren, die ihnen in Bezug auf Alter, Bildung und Interessen ähnlich sind. Insgesamt werden allerdings nur 16 Prozent aller Erstkontakte beantwortet. Bei gegenseitiger Sympathie findet das erste echte Treffen meist innerhalb eines Monats, häufig bereits nach einer Woche statt. Frauen stehen einem Treffen insgesamt zurückhaltender gegenüber und sichern sich mehr ab, indem sie öffentliche Orte wählen und Freundinnen davon berichten.

Dem Überblick zufolge bestehen im deutschsprachigen Internet mittlerweile mehr als 2500 Online-Dating-Portale, die unterschieden werden in Kontaktanzeigen, Partnervermittlung (Parship, ElitePartner o.ä.), Social-Dating (Tinder, Lovoo o.ä.), Adult-Dating (C-Date, Joyclub o.ä.) und Nischenanbietern (für Übergewichtige, spezielle Glaubensrichtungen o.ä.). Die Anzahl der Mitgliedschaften wird in Deutschland im Jahr 2016 auf 118 Millionen geschätzt. Davon nutzen allerdings nur 12 Millionen den Service regelmäßig, wovon 3,5 Millionen explizit nach sexuellen Kontakten suchen. Häufig werden mehrere Dienste parallel verwendet. Im Durschnitt sind die Nutzer 30 Jahre alt, und der Anteil der Männer überwiegt mit 64 Prozent gegenüber den Frauen. Bei Homosexuellen und sexuellen Minderheiten scheint Online-Dating stark verbreitet zu sein.

„Wir stehen erst am Anfang, das Phänomen in seiner Komplexität zu begreifen“, sagen die Wissenschaftler der Hochschule Fresenius.




https://idw-online.de/de/news674575









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