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12-04-17
Psychiatrie: Qualifizierte persönliche Beziehungen verhindern Gewalt

Gewalt ist in der Psychiatrie und der Altenpflege alltäglich. Betreuer und Betreute können Täter wie Opfer sein. Oft wird ein Gewaltklima toleriert und ein Übergriff bagatellisiert - mit gefährlichen langfristigen Folgen. Jürgen Fais und Kollegen analysieren Details und konkretisieren Möglichkeiten von Prävention bzw. Deeskalation: Der Reader "Schattenwelt" bietet Anregungen für Pflegende, Psychologen und Ärzte.


Der Hintergrund "einer Gewaltanwendung kann in Hilflosigkeit bestehen oder in verzweifelter Scham, auf Verwechslungen beruhen oder roher Machtentfaltung. Spürbar wird er, wenn die beteiligten Fachkräfte wenigstens einen Moment ihrer Aufmerksamkeit achtsam dem Hintergrund widmen. Oft erschließt er sich über eigene Resonanzen; eigene Schamgefühle können z.B. ein Hinweis darauf sein, dass Scham als Subjekt einer gewalttätigen Handlung eine Rolle spielt."
 
Demenz oder andere psychische Erkrankungen "führen zu steigenden Erregungen, die sich manchmal bei zufälligen Anlässen in Gewaltaktionen entladen können. Deswegen ist es immer notwendig, auf ansteigende Erregung einzugehen und zu versuchen, sie zu reduzieren." Einfachheit und Klarheit können Kranken die Orientierung erleichtern und einer Erregung vorbeugen.
 
"Essenz jeden Umgangs mit Menschen, die unter gerontopsychiatrischen Erkrankungen leiden, ist die persönliche Begegnung. Sie ist der Halt in der Orientierungslosigkeit, die Hilfe bei der Hilflosigkeit, die Stütze bei Angst und Verzweiflung. Zwischen alten Menschen und Pflegenden oder anderen Fachkräften, zwischen denen eine gute, tragfähige Beziehung aufgebaut wurde, gibt es deutlich weniger Gewalt. Jede gefestigte Beziehung ist ein Gewaltprävention. Deshalb ist besonders bei unruhig und schwierig wirkenden alten Menschen alles hilfreich, was dem Aufbau und der Kontinuität von Beziehungen dient.
 
Viele alte Menshen, insbesondere solche mit gerontopsychiatrischen Erkrankungen, wirken ´unzugänglich´ oder gar ´unerreichbar´. Über verbale Gesprächsangebote sind sie nur noch in geringem Maß anzusprechen. Doch der Weg über Sinneskontakte ist auch dann gangbar, wenn Worte allein richt reichen. Nonverbale Begegnungen über Bilder, Klänge, Musik, Gerüche, taktile Erfahrungen wirken als beziehungsstiftende Brücken. Dies vor allem, wenn sie nicht als bloße Beschäftigungstherapie oder Training verstanden werden, sondern als spürende Begegnung."




Jürgen Fais (Hrsg.) Schattenwelt - Vom Umgang mit Gewalt im psychiatrischen Arbeitsfeld. Pabst, 212 Seiten, ISBN 978-3-89967-949-6









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