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07-04-17
Sucht: Warum viele Opioidabhängige auf Substitutionstherapie verzichten und illegalen Drogenhandel bevorzugen

Sucht: Wer von Drogen abhängig ist, kann durch ein Ersatzpräparat zu einem relativ normalen Alltagsleben finden. Daher setzt sich die Substitutionstherapie mehr und mehr durch. Sie entzieht gleichzeitig dem illegalen Drogenmarkt Kunden und reduziert die kriminelle Szene. Diesen Vorteilen stehen jedoch deutliche Nachteile gegenüber, berichten Claudia Tiapal und Daniel Sanin in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift "Psychologie und Gesellschaftskritik".


"Zählt man die Vorteile der Substitutionstherapie auf, scheint es fast verwunderlich, dass sich dennoch 40% der Opioidkonsumierenden nicht in einer substitutionsgestützten Behandlung befinden." Einen wesentlichen Grund sehen die Sozialarbeiter in den zeitlichen, örtlichen und sozialen Regularien, denen sich die Klienten für die Substitution unterordnen müssen. Damit entsteht die Befürchtung, "dass Autonomie nicht erwünscht ist."
 
Die Mehrheit der Abhängigen bevorzugt eine Injektion. Eine orale Verordnung wird jedoch immer als first-line-treatment definiert. "Dass dabei der gewünschte Berauschungszustand ausbleibt, wird von Konsumierenden meist als Verlust erlebt. Die Substitutionsmittel in Tabletten- oder Kapselform sind so konzipiert, dass eine missbräuchliche Anwendung, eben das Spritzen, erschwert wird. Die Missbrauchssicherheit des Präparates bietet einen Wettbewerbsvorteil am Markt. Damit wird die Tatsache ignoriert, dass viele Menschen spritzen wollen, da sie den Kick brauchen ..."
 
"Opioidkonsumierende sind aus verschiedenen Gründen meist in eine einschlägige Szene eingebunden." Dies kann sich positiv oder auch negativ auswirken. "Viele Konsumierende berichten, dass sie sich nach Beginn der Substitution als einsam erleben, da die Kontakte zur Szene oft abgebrochen werden, während ´nicht-szenenahe´ Kontakte wenig bis gar nicht vorhanden sind. Sie erleben sich dann zwar als nicht mehr ´drauf´, also abhängig vom Straßenheroin; gleichzeitig sind sie aber immer noch abhängig, vereinsamt und ohne reale Perspektiven ..."




Psychologie und Gesellschaftskritik 40 (4-2016); Schwerpunktthema: Sucht









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