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09-02-17
Großzügigkeit ist eine Frage der sozialen Distanz

Forscher der Universitäten Lübeck und Bonn fanden heraus, warum Menschen großzügiger zu ihnen nahe stehenden Personen als zu Fremden sind. Empathiefähigkeit und das Hormon Oxytocin spielen dabei eine wichtige Rolle. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler jetzt in einem Fachartikel der Zeitschrift „Psychoneuroendocrinology“.


Dr. Sabrina Strang (Foto: Uni Lübeck)
Prof. Dr. So Young Park (Foto: Uni Lübeck)

Viele Menschen sind erstaunlich großzügig, sie machen anderen gerne Geschenke, helfen beim Umzug, oder gießen die Blumen, wenn jemand im Urlaub ist. Allerdings behandeln wir nicht alle in unserem sozialen Umfeld gleich. Je näher uns jemand steht, desto großzügiger verhalten wir uns dieser Person gegenüber. Aber warum ist das eigentlich so?

„Im Allgemeinen nimmt die Bereitschaft, andere zu unterstützen, mit der gefühlten zwischenmenschlichen Distanz ab. Personen, die uns sehr nahe stehen, sowie Familienangehörigen sind wir eher bereit zu helfen als Personen, die uns nicht so nahe stehen wie zum Beispiel entfernte Bekannte oder die wir gar nicht kennen wie Fremde auf der Straße“, sagt Dr. Sabrina Strang aus dem Institut für Psychologie der Universität zu Lübeck.

Wissenschaftler nennen dieses Verhalten „soziales Diskontierungsverhalten“. Damit ist gemeint, dass unsere Großzügigkeit abnimmt, je ferner uns eine andere Person steht. Ein Team aus Forschern der Universität zu Lübeck und der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn um Prof. Dr. So Young Park, Lübeck, konnte nun die diesem Effekt zugrunde liegenden Mechanismen nachweisen.

- Probanden beschrieben ihr soziales Umfeld und spielten das „Diktator-Spiel“

Insgesamt 132 männliche Probanden nahmen an der Studie teil. Die Probanden wurden gebeten, für das Experiment sechs Personen aus ihrem persönlichen Umfeld zu benennen, wobei diese sich in ihrer sozialen Distanz unterschieden. Als erstes sollten sie die Person angeben, die ihnen am nächsten steht (zum Beispiel die Partnerin oder ein Elternteil). Des Weiteren wurden sie gebeten, verschiedene Personen anzugeben, die in unterschiedlicher sozialer Distanz zu ihnen stehen wie zum Beispiel ein guter Freund, ein Kollege, der Nachbar und ein Fremder auf der Straße.

Anschließend schlüpften die Probanden in die Rolle des Diktators: Sie bestimmten darüber, wieviel sie von einen bestimmten Geldbetrag – zum Beispiel 15 Euro – mit einer vorher angegebenen Personen aus ihrem sozialen Umfeld teilen möchten. Der Betrag, den sie angaben, wurde im Anschluss an das Experiment tatsächlich an die entsprechende Person weitergeleitet.

- Oxytocin und Empathie

Vor dem Diktator-Spiel wurde anhand eines Fragebogens die individuelle Empathiefähigkeit der Probanden gemessen. Zudem erhielt die eine Hälfte der Probanden das Hormon Oxytocin, während die andere Hälfte ein Placebo verabreicht bekam. Oxytocin ist ein körpereigenes Hormon, welches zum einen während des Geburtsprozesses produziert wird und für die Bindung zwischen Mutter und Kind sorgt. Es beeinflusst aber auch das Verhalten zwischen Geschlechtspartner und soziale Interaktionen im Allgemeinen.

Die Wissenschaftler untersuchten anschließend, in wieweit Oxytocin und Empathie das Abgabeverhalten der Probanden im Diktator-Spiel beeinflussten. „Interessanterweise konnten wir zeigen, dass die Probanden, die das Oxytocin verabreicht bekamen, sich gegenüber sozial näher stehenden Personen noch großzügiger verhielten als die Probanden, die das Placebo erhielten. Das Verhalten gegenüber Personen, die sich nicht im engeren sozialen Umfeld befinden, wurde hingegen nicht von dem Hormon beeinflusst“, sagt Prof. Dr. So Young Park. Zudem fanden die Wissenschaftler heraus, dass dieser Effekt abhängig von der Empathiefähigkeit der Probanden ist. Je empathischer die Probanden waren, die das Oxytocin erhielten, desto großzügiger verhielten sie sich Personen in ihrem nahen sozialen Umfeld gegenüber.

Oxytocin und Empathie spielen demnach eine wichtige Rolle, wenn es darum geht, wem gegenüber wir uns großzügig verhalten. „Das Zusammenspiel dieser beider Faktoren wurde bislang in diesem Zusammenhang kaum untersucht“, sagt Ko-Autor Sergio Oroz Artigas, Doktorand in der Arbeitsgruppe „Sozialpsychologie und Neurowissenschaft der Entscheidung“ an der Universität zu Lübeck.

Publikation:
Sabrina Strang, Holger Gerhardt, Nina Marsh, Sergio Oroz Artigas, Yang Hu, René Hurlemann und Soyoung Q Park: A matter of distance – the effect of oxytocin on social discounting is empathy-dependent, “Psychoneuroendocrinology”.




https://idw-online.de/de/news667695









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