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09-01-17
Frauen und Mädchen werden immer häufiger gewalttätig und manipulativ

Nur etwa sechs bis zehn Prozent der Strafhäftlinge und forensischen Patienten sind Frauen bzw. Mädchen. Dies bedeutet jedoch nicht, dass Gewalttätigkeit eine männliche Domäne ist. Gewalt von Frauen nimmt zu, lässt sich jedoch meist strafrechtlich kaum fassen. Und: Vielen Gerichten wird nachgesagt, Frauen milder zu beurteilen als Männer. Die Fachzeitschrift "Forensische Psychiatrie und Psychotherapie" bietet in der aktuellen Ausgabe einen Überblick.


Vivienne de Vogel und Uta Kröger belegen, wie sich Gewalttaten von Männern und Frauen unterscheiden: "Weibliches Gewaltverhalten zeichnet sich vorwiegend dadurch aus, dass es vorwiegend reaktiv und indirekt ist und sich gemeinhin im Kontext sozialer Beziehungen abspielt. Es ist weniger häufig instrumentaler oder sexueller Art. Die meisten Gewaltopfer von Mädchen sind deren Geschwister und Gleichaltrige. Opfer der Gewalt erwachsener Frauen sind überwiegend der intime Partner oder Kinder.
 
Mädchen haben oft andere Motive als Jungen für ihr gewalttätiges Verhalten: Rache, Eifersucht, Tratsch. Mädchen zeigen im Vergleich zu Jungen signifikant häufiger Aggression," die von der Beziehung bestimmt ist: "manipulative Verhaltensweisen mit dem Ziel, interpersonelle Beziehungen zu beeinträchtigen, andere Menschen und deren Beziehungen emotional zu schädigen oder deren sozialen Status zu eliminieren; intrigantes Verhalten, wie Gerüchte Verbreiten und Peers aus Gruppen ausschließen. Auch wenn diese Form der Aggression allgemein keinen direkten (körperlichen) Schaden verursacht, sind die sozialen und emotionalen Folgen für die Opfer nicht zu unterschätzen." In diesen Bereich fallen auch Manipulationen, die einen Mann zu einer gewalttätigen (und damit strafbaren) Reaktanz herausfordern.
 
Nur ein Bruchteil der gewalttätigen Frauen und Mädchen kommt vor Gericht und wird zur Behandlung in einer forensischen Klinik verurteilt. Vivienne de Vogel und KollegInnen vergleichen 275 dieser Patientinnen mit 275 männlichen Patienten:

  • Frauen hatten häufiger selbst eine Leidensgeschichte erlebt - Missbrauch, soziale Desorganisation u.a.
  • Frauen begingen mehr Tötungsdelikte und weniger Sexualstraftaten; sie richteten ihre Gewalt mehr auf Personen, die ihnen nahe standen; Kindesmisshandlung bzw. Kindestötung waren häufig.
  • Frauen verursachten mehr Zwischenfälle während der Behandlung und verhielten sich gegenüber Behandlern sowie MitpatientInnen offen oder verdeckt manipulativ.



Forensische Psychiatrie und Psychotherapie 3/2016

 

Heinfried Duncker: Gewalt zwischen Intimpartnern - Liebe, Aggressivität, Tötung. Pabst, 184 Seiten, ISBN 978-3-934252-10-3









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