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23-12-16
Wirtschaftspsychologie: Wie gute Arbeit gestaltet wird

Wirtschaftspsychologie: Nur etwa 16 Prozent der Arbeitnehmer sind mit Herz, Hand und Verstand bei ihren Aufgaben. 68 Prozent machen lediglich Dienst nach Vorschrift, und 16 Prozent haben innerlich gekündigt. Diese Befunde der letzten Gallup-Umfrage werfen ein dramatisches Licht auf die aktuelle Berufswelt. Die Mehrheit der Beschäftigten arbeitet teilweise oder überwiegend mit Menschen, die einander das Leben schwer machen. Welche Arbeitsbedingungen würden hier zu einer realistischen Motivation führen? Der Arbeitspsychologe Prof. Dr. Winfried Hacker liefert und begründet die Details in seinem Handbuch "Arbeitsgegenstand Mensch: Psychologie dialogisch-interaktiver Erwerbsarbeit".


Wie ist eine optimale Arbeit gestaltet? Hacker nennt acht wesentliche Punkte:

  • Die Arbeit ist möglichst vollständig, d.h. die/der Betroffene kann erkennen, was sie/er geleistet hat.
  • Die Arbeitsleistung ist als vielleicht bescheidener, doch noch immer bedeutsamer Beitrag zum Gesamtgeschehen des Unternehmens erkennbar.
  • Die Arbeit sollte auch bei Spezialisten eine gewisse Vielfalt enthalten und sich nicht ausschließlich in Routine erschöpfen.
  • Auch bei einer notwendigen Regelungsdichte sollte ein gewisser Handlungsspielraum bestehen - hinsichtlich Arbeitstempo, Abfolge, Vorgehen.
  • Die/der Betroffene sollte sinnvolle Rückmeldungen erhalten.
  • Die Arbeit sollte der Qualifikation der/des Betroffenen entsprechen. Unterforderung ist noch ungünstiger als Überforderung.
  • Berufstätige sollten die Möglichkeit erhalten, sich weiter zu entwickeln.
  • Eine sozial isolierende Arbeit ist in jedem Fall zu vermeiden.

Ein Bankberater ist ein klassisches Beispiel für einen schlechten Arbeitsplatz: Ihm wird vorgeschrieben, welche Finanzprodukte er dem Kunden empfehlen soll. Er weiß, dass der Kunde in aller Regel bei dem Geschäft verliert, die Bank jedoch und er selbst gewinnen. Dem Bankberater fehlt der Handlungsspielraum, und seine moralisch fragwürdige Vorgehensweise isoliert ihn psychosozial gegenüber seinen Kunden.
 
Eine Pflegekraft im Altenheim mit einem vorgeschriebenen Zeitbudget, also eingeengtem Handlungsspielraum kann ihren Klienten u.U. nicht gerecht werden, ist überfordert und fühlt sich schuldig. Auch dies bedeutet eine psychosoziale Isolation.
 
Das sozialwidrige Verhalten des Bankberaters und das Schuldgefühl der Pflegekraft sind psychologisch grundverschiedene Phänomene, wirken jedoch in die gleiche Richtung: Emotionale Lebensqualität und Arbeitskraft sinken. Kurzfristig mögen Bank und Altenheim wirtschaftlich profitieren, doch langfristig bleiben Personalprobleme und Turbulenzen nicht aus.




Winfried Hacker: Arbeitsgegenstand Mensch - Psychologie dialogisch-interaktiver Erwerbsarbeit. Ein Lehrbuch.

Pabst, 340 Seiten, ISBN 978-3-89967-560-3









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