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22-12-16
Betrüger bleiben besser im Gedächtnis

„Den merk ich mir!“ Nicht selten geht das einem durch den Kopf, wenn sich ein Kollege in der Kantine vordrängelt, wenn ein Fußballspieler beim Gegner besonders häufig foult oder auch wenn einem ein unbekannter Nachbar den Parkplatz wegschnappt. Dass das keine leere Drohung ist und unser Gedächtnis solche Personen tatsächlich besonders gut speichert – zumindest dann, wenn sie unserer eigenen Gruppe angehören – haben Psychologen der Friedrich-Schiller-Universität Jena jetzt herausgefunden. Über ihre Forschungsergebnisse berichten sie in der aktuellen Ausgabe des Fachmagazins „Cognition“.


Die Jenaer Psychologin Dr. Stefanie Hechler hat gemeinsam mit Kollegen ermittelt, dass wir uns besonders gut an Personen erinnern, die Fehlverhalten abseits der Norm zeigen (Foto: Jan-Peter Kasper/FSU)

Gesicht und Geschichte des Fehlverhaltens werden gemerkt

„Beobachten wir Personen, die Fehlverhalten abseits der Norm – etwa Betrug – zeigen, dann erinnern wir uns besonders gut an sie, da sie anders gehandelt haben, als wir das erwarten“, erklärt Dr. Stefanie Hechler, die gemeinsam mit ihren Kollegen Prof. Dr. Thomas Kessler und Prof. Dr. Franz Neyer an den beiden neuen Studien gearbeitet hat, aus denen die Ergebnisse hervorgegangen sind. „Dabei handelt es sich um kombinierte Erinnerungen, wie Kollegen aus Düsseldorf herausgefunden haben. Das heißt, wir merken uns nicht nur das Gesicht der betreffenden Person, sondern auch die mit ihm verbundene Geschichte.“ Schließlich sei es besser, bei der nächsten Begegnung nicht nur festzustellen, denjenigen schon einmal gesehen zu haben, sondern auch dass er damals unkooperativ gehandelt hat. „Diese soziale Funktionalität tritt allerdings nur auf, wenn ich die entsprechende Person in die gleiche Gruppe wie mich selbst verorte, also einem Personenkreis, dem ich eine bestimmte Kategorie zuschreibe – etwa die Mitarbeiter einer Firma, die Seminargruppe einer Universität oder auch, weiträumiger gefasst, etwa die Einwohner eines Landes“, sagt Hechler. „In der Regel teilen wir unsere soziale Umgebung in solche Gruppen ein, um sie besser strukturieren zu können. Somit interagieren wir also auch meist mit Personen der eigenen Gruppe.“

Identifikation mit der Gruppe

In einem Experiment teilten die Psychologen der Universität Jena den Probanden mit, dass sie Teil einer erfundenen und neuen Gruppe seien, ohne darauf zu verweisen, dass diese eine bestimmte Bedeutung habe. Trotzdem identifizierten sich die Teilnehmer mit ihrer Gruppe, womit gleichzeitig eine Abgrenzung zu einer anderen Gruppe einherging. Nachdem ihnen die Wissenschaftler verschiedene Personen mit einer Hintergrundinformation gezeigt hatten, stellte sich heraus, dass sie sich besonders auf ihre Co-Mitglieder konzentriert hatten. Diejenigen aus der eigenen Gruppe, die durch Fehlverhalten aufgefallen waren, hatten sich bei den Probanden besonders eingeprägt. Das traf allerdings nicht auf die Personen aus der Fremdgruppe zu, die sich ebenfalls durch unkooperative Handlungsweisen hervorgetan hatten.

Eigene Gruppe wird grundsätzlich positiver bewertet

„Es zeigt sich also, dass selbst so basale Vorgänge wie Gedächtnisprozesse, die wir eher unbewusst steuern, von sozialen Kategorisierungen beeinflusst sind“, sagt Stefanie Hechler. „Wir speichern das Handeln gegen die Norm als Gefahr für die Gruppe besonders ab – und somit auch denjenigen, der dafür verantwortlich ist.“ Allerdings – und das sei eine weitere wichtige Erkenntnis der Jenaer Forscher – schätzten die Teilnehmer des Experiments ihre eigene Gruppe grundsätzlich als positiver ein als eine Fremdgruppe, obwohl sie sich sehr gut an die Betrüger erinnern konnten.

Die Forschungsergebnisse der Jenaer Psychologen gehen aus der von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten Forschergruppe „Person Perception“ hervor. Auch in Zukunft bieten die neuen Erkenntnisse, die u. a. auch Teil von Stefanie Hechlers Dissertation sind, neue Aufgabenstellungen für die Jenaer Psychologin. So sei beispielsweise interessant herauszufinden, ob das Wiedererkennen dieser Personen mit bestimmten Reaktionsmustern verbunden sei.




https://idw-online.de/de/news665560









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