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12-12-16
Die therapeutische Wirkung der Philosophie und Kunstrezeption

Während die eigene künstlerische Tätigkeit in der Kunsttherapie schon lange als therapeutisches Mittel etabliert ist, sind Therapien, welche auf die Rezeption von Kunst, d.h. auf organisierte ästhetische Erfahrungen der Patienten und deren gemeinsame Reflexion als therapeutisches Mittel setzen, noch relativ jung. Vor allem am Wiener Anton Proksch Institut setzt man in der Suchtbehandlung seit einigen Jahren auf das „Schöne als Therapeutikum“. Der langjährige Mitarbeiter des Instituts Martin Poltrum, Philosoph und Psychotherapeut, stellt in seinem Buch „Philosophische Psychotherapie“ die Ergebnisse seiner langjährigen Forschung und therapeutischen Arbeit in der Klinik und in eigener Privatpraxis vor.


Denken heilt

„Die Erfahrung des Schönen, der die großen Philosophen eine therapeutische Dimension zusprechen, leistet innerhalb der Psychotherapie die Rückgewinnung dessen, was man als Urvertrauen bzw. Seins- oder Daseinssicherheit bezeichnen könnte.“ So zeichnet sich in der Philosophiegeschichte eine starke Traditionslinie ab von Epikur bis Nietzsche, die sowohl philosophischem Denken wie auch Schönheitserfahrungen therapeutische Wirkung zusprach. Nietzsche verstand „Philosophie (…) als Heil- und Hilfsmittel im Dienste des wachsenden, kämpfenden Leben“ Wie diese von den Philosophen theoretisch fundierte Wirkung gezielt für die Psychotherapiepraxis fruchtbar gemacht werden kann, legt Poltrum in seinem Kompendium dar, das zugleich seine Habilitationsschrift an der Wiener Sigmund Freud Universität im jungen Universitätsfach Psychotherapiewissenschaft darstellt.

Philosophische Therapie ist ressourcenorientiert und nicht störungsspezifisch

Seine eigene philosophische Psychotherapie zählt Poltrum zu den ressourcenorientierten Psychotherapien. So sollen z.B. mit gemeinsamen Kino-, Theater- und Museumsbesuchen und anschließenden Gesprächen über die gemachten Kunsterfahrungen verschüttete Ressourcen der Patienten wieder erschlossen bzw. aufgeschlossen werden, damit Patienten sich Erfahrungen des Schönen und des Glücks öffnen und neue Freude am Leben gewinnen. Poltrum versteht seine philosophische Psychotherapie als nicht störungsspezifische Therapie. Sie kann deshalb bei den unterschiedlichsten Krankheitsbildern wie z.B. Depression, Phobien, Zwangs- oder Suchterkrankungen eingesetzt werden und soll andere Therapieformen keinesfalls ersetzen, sondern als Ergänzung zu den bestehenden Techniken und Verfahren der Psychotherapie dienen.




Poltrum, M.: Philosophische Psychotherapie. Das Schöne als Therapeutikum, 312 Seiten, Parodos Verlag, ISBN 978-3-938880-82-1









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