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13-09-16
Online-Sucht ist primär maskulin

Zum Deutschen Suchtkongress in Berlin wurden neue Ansätze zur Diagnostik und Therapie der Online-Sucht vorgestellt. Die Zahl der relevanten Beratungs- und Behandlungseinrichtungen hat sich in Deutschland innerhalb der letzten acht Jahre etwa vervierfacht, berichtete Dr. Kay-Uwe Petersen (Universität Tübingen). Dennoch kommt nur ein Bruchteil der Betroffenen im Suchthilfesystem an. Daher wurde an der Ruhr-Universität Bochum ein niedrigschwelliges Angebot entwickelt: Dr. Bert te Wildt stellte den "Online-Ambulanz-Service (OASIS) zur Diagnostik und Beratung von Internetsüchtigen" vor.


Der Service verfolgt den Ansatz, Betroffene (unter www.onlinesucht-ambulanz.de) im Internet abzuholen: "Nach einem Selbsttest werden sie dazu eingeladen, sich im Zuge eines webcambasierten Online-Sprechstundentermins einer Diagnostik zu unterziehen. Beim Folgetermin werden ihnen im Rahmen eines Motivationalen Interviews individuelle Therapieempfehlungen vor Ort vermittelt. Für Angehörige von Internet-Abhängigen ab 14 Jahren, die bislang nicht zu therapeutischen Schritten motiviert werden konnten, bietet OASIS ebenfalls die Möglichkeit, in einem verkürzten Verfahren mit Diagnostik und Beratung entsprechende Unterstützung zu finden."

Immer deutlicher zeichnet sich ab, dass Online-Sucht in erster Linie maskulin bestimmt ist. Zwei unterschiedliche Studien aus der Universität Erlangen und dem kriminologischen Institut Hannover konnten unabhängig voneinander zeigen, dass eine hohe pränatale Androgenexposition eine hypermännliche Organisation des Gehirns, die Entwicklung von Linkshändigkeit und das Entstehen einer Online-Sucht begünstigt.

Eine Arbeitsgruppe der Universität Duisburg-Essen nimmt an, dass "präfrontal vermittelte Kontrollprozesse bei Internet-Sexsucht reduziert sind." Dr. K. Wölfling (Universität Mainz) hat zwei Gruppen miteinander verglichen - Online-Spielsucht vs. Online-Sexsucht. "Die Patienten mit Online-Sexsucht, v.a. Männer mittleren Alters, zeichneten sich durch einen guten Bildungsstand und gute soziale Integration bei beruflichem Erfolg aus. Rein zeitlich war die Internetnutzung in dieser Gruppe geringer ausgeprägt. In den Persönlichkeitsdimensionen zeichnen sich Online-Sexsüchtige durch niedrige Extraversion, hohe Neurotizismuswerte sowie geringe Gewissenhaftigkeit aus. Diese Gruppe wies häufiger Kindheitstraumatisierungen (emotionaler und körperlicher Missbrauch, emotionale Vernachlässigung) verglichen mit Online-Spielsüchtigen und der Normalbevölkerung auf."

Dipl.-Psych. Peter Missel (Reha-Klinik Daun): "Lange Zeit wurde kontrovers diskutiert, ob Online-Abhängigkeit als Suchterkrankung im klassischen Sinn zu werten ist. Inzwischen wissen wir: Ja, sie ist es - und überhäufig mit verschiedensten psychischen oder körperlichen Begleiterkrankungen."




Bert T. te Wildt: Medialität und Verbundenheit - Zur psychopathologischen Phänomenologie und Nosologie von Internetabhängigkeit. Pabst, 384 Seiten, ISBN 978-3-89967-609-9

 

Kay Uwe Petersen, Rainer Thomasius: Beratungs- und Behandlungsangebote zum pathologischen Internetgebrauch in Deutschland. Pabst, 332 Seiten, ISBN 978-3-89967-663-1

 

Peter Missel, Petra Schuhler (Hrsg.): Pathologischer PC-/Internet-Gebrauch. Rausch - Wiener Zeitschrift für Suchttherapie, 3/4-2014. ISSN 2190-443X









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