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22-06-10
Jugendliche Sexualstraftäter: kompetente sozialpädagogische Therapieangebote fehlen

Den größten Teil der jungen Sexualstraftäter kennzeichnen Prof. Dr. Michael Günter und Kollegen als kontaktgestört und meist kognitiv oder/und emotional leicht retardiert. In einer Studie diagnostizierten die Psychiater als Hauptmerkmal: "In Ermangelung altersgerechter sozialer Kompetenzen und bei fehlender Kontaktfähigkeit, jedoch bei normal entwickelten sexuellen Bedürfnissen greifen diese Jugendlichen auf vermeintlich ungefährliche sexuelle Kontakte mit Kindern zurück."


Eine pädosexuelle Fixierung ist nur ausnahmsweise erkennbar; "die eigentlich bevorzugten, jedoch häufig angstbesetzten Sexualobjekte sind Gleichaltrige. Notwendig wäre bei dieser Gruppe Jugendlicher eine sexualpädagogische Arbeit. Darüber hinaus sind häufig eine Herausnahme aus der Familie und eine stationäre Jugendhilfemaßnahme erforderlich. Problematisch erscheint, dass derzeit noch kaum entsprechende sozialpädagogische Gruppenangebote für Jugendliche verfügbar sind."
 
Einen deutlich selteneren Typ junger Sexualdelinquenten sehen die Psychiater von einer hochaggressiven Gewaltbereitschaft getrieben. "Die Konsequenz für diese Gruppe ist eine angemessene Behandlung der Gewaltproblematik."
 
Die dritte und zahlenmäßig kleinste Gruppe jugendlicher Sexualstraftäter zeigt "bereits fixierte Perversionen oder eine deutliche Gefahr einer Fixierung aberranter Fantasien" - mit gleichzeitig eingeschränkter Impulskontrolle. Die konsequente Behandlung dieser komplexen Problematik gilt als besondere Herausforderung; auch hier sehen die Tübinger Psychiater einen Mangel an qualifizierten Therapieangeboten.




M. Günter, S. Leutz, S. Vees: Jugendliche und erwachsene Straftäter im Vergleich, Die Tübinger Adoleszenz-Rückfallstudie Delinquenz (TARD)

in: Briken, Spehr, Romer, Berner (Hrsg.): Sexuell grenzverletzende Kinder und Jugendliche

Pabst, Lengerich/Berlin, 2010, 356 Seiten, ISBN 978-3-89967-541-2









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