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Psychoanalyse

2012-1 (28)

SCHWERPUNKTTHEMA: JÜDISCHE IDENTITÄTEN IN DEUTSCHLAND NACH DEM HOLOCAUST
GAST-HERAUSGEBER: ROLAND KAUFHOLD, BERND NITZSCHKE




Roland Kaufhold, Bernd Nitzschke, Oliver Decker
Jüdische Identitäten in Deutschland nach dem Holocaust
Vorwort


1. Teil: Zeitzeugen

Gideon Greif
Der Holocaust im Bewusstsein Israels und Deutschlands – Interview mit Gideon Greif
Zusammenfassung

Arno Gruen
Identität, speziell: „Jüdische Identität“
Zusammenfassung

Anita von Raffay
Als Kind von Wien nach New York, als Erwachsene von Jung zu Freud
Zusammenfassung

Jim G. Tobias
Meinhold Nussbaum: „Ein gradliniger, treuer und hingebungsvoller Zionist“
Zusammenfassung

Peter Finkelgruen
Israel – freiwillige Geisel?
Zusammenfassung


2. Teil: Transgenerationale Erfahrungen

Kurt Grünberg
Szenisches Erinnern der Shoah – Über transgenerationale Tradierungen extremen Traumas
Zusammenfassung

Peter Pogany-Wnendt
Jüdisch sein zu müssen, ohne es wirklich sein zu können – Ein Identitätsdilemma im Lichte des Holocaust
Zusammenfassung

Peter Rosenthal
Der dritte Weg
Zusammenfassung

Uri Kuchinsky
Anmerkungen zur jüdischen Identität nach dem ‚Holocaust‘
Zusammenfassung

Roland Kaufhold
Der Psychoanalytiker Sammy Speier (2.5.1944 – 19.6.2003): ein Leben mit dem Verlust
Oder: „Kehrt erst einmal vor der eigenen Tür!“
Zusammenfassung

Ramona Ambs
Von rosa Kaninchen
Zusammenfassung


3. Teil: Das politische Erbe

Micha Brumlik
„Die Russen“ – Fragen für ein künftiges Forschungsprogramm
Zusammenfassung

Daniel Cil Brecher
Die unverträgliche Erinnerung: Holocaust und kollektive Identitäten in Deutschland und Israel
Zusammenfassung

Alexandra Senfft
Die Täter sind immer die Anderen
Zusammenfassung


Buchbesprechung

Brigitte Gensch, Sonja Grabowsky (Hrsg.): Der Halbe Stern. Verfolgungsgeschichte und Identitätsproblematik von Personen und Familien teiljüdischer Herkunft

 


Der Holocaust im Bewusstsein Israels und Deutschlands – Interview mit Gideon Greif
Gideon Greif

Zusammenfassung: Das Interview mit dem israelischen Historiker Gideon Greif umspannt seine Arbeit über die jüdischen Sonderkommandos, seine deutsch-jüdischen Wurzeln und das kulturelle und gesellschaftliche Erbe der „Jeckes“ in Israel. Die jüdischen Sonderkommandos waren in einer ausweglosen Lage; ihre Aufstellung gehört zu den verabscheuungswürdigsten Verbrechen des Nationalsozialismus. Die Auseinandersetzung hiermit ist eine Aufgabe der Deutschen. Die Gespräche mit den Überlebenden dieser Sonderkommandos haben sich als ein sehr problematisches Projekt erwiesen – und zwar sowohl für die Interviewten als auch für die Interviewer. Angesprochen werden die Stufen der Verarbeitung der Schoa im Bewusstsein der Israelis.

Schlüsselwörter: Sonderkommandos, Schoa, Auschwitz, Jeckes, Antisemitismus, jüdischer Widerstand, Jehoshua Rosenblum, Interviews mit Überlebenden, Rache


Dr. Gideon Greif
E-Mail:
dr.gideon.greif@gmail.com

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Identität, speziell: „Jüdische Identität“
Arno Gruen

Zusammenfassung:
Identifikation und Identität bergen einen Widerspruch. Identifikation führt nicht zu einer eigenen autonomen Entwicklung der Identität. Jüdische Identität, wie alle nationalen Identitäten, bezieht sich auf die Zugehörigkeit zu einer Gruppe, die sich auf die Gemeinsamkeit von Geschichte, Brauch und Sitten beruft. Wenn aber solche Identität eine Reaktion auf die Feindseeligkeit anderer ist, dann besteht die Gefahr, dass diese Identität durch den Feind oder die Unterdrücker definiert wird. Biographische Erlebnisse des Autors illustrieren die in diesem Essay vertretene Position.

Schlüsselwörter: Identifikation, Identität


Prof. Dr. Arno Gruen
Rütistrasse 4
CH-8032 Zürich

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Als Kind von Wien nach New York, als Erwachsene von Jung zu Freud
Anita von Raffay

Zusammenfassung: Wenn man auswandern muss aus einem Land, das man geliebt hat, dann trauert man, bis man bemerkt, dass man doch noch Glück hatte: Ich bin von einem Land, das Hitler bejubelte, in ein Land der Freiheit gelangt, in ein Land, in dem meine Großmutter und meine Mutter geboren sind. Dort, in Amerika, wurde ich selbständig. Ich verdiente Geld für mein Studium, das ich in den USA begann und in der Schweiz, auch ein freies Land, fortsetzte. Ich machte eine Ausbildung als Jung’sche Analytikerin, bevor ich zur Lehre Freuds und der seiner Nachfolger überwechselte.

Schlüsselwörter: Heimat, Wien, Bindung, Emigration, USA, C. G. Jung, Sigmund Freud


Dr. Anita von Raffay
Mövenstr. 12
D-22301 Hamburg

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Meinhold Nussbaum: „Ein gradliniger, treuer und hingebungsvoller Zionist“
Jim G. Tobias

Zusammenfassung: Meinhold Nussbaum wurde 1888 in Fulda geboren. Nach dem Abitur studierte er Jura in Freiburg, Marburg und Berlin. 1917 ließ er sich in Nürnberg nieder. Dort trat er der Ortsgruppe der Zionistischen Vereinigung für Deutschland bei und avancierte zu einem der führenden Vertreter dieser Gruppe. Anfang der 1920er Jahre brach er zu einer Erkundungsreise nach Palästina auf. Kurz nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten übersiedelte Nussbaum dann endgültig nach Erez Israel. Schon nach wenigen Jahren eröffnete er eine Rechtsanwaltskanzlei in Tel Aviv. Sein Büro entwickelte sich zum Mittelpunkt für viele Rat suchende jüdische Einwanderer aus Deutschland. 1946 schickte ihn die Jewish Agency als Beauftragten für die Rückerstattung von jüdischem Eigentum nach Deutschland. 1953 übernahm der Jurist die Rechtsabteilung der Israel-Handelsmission in Köln, um das mit Deutschland vereinbarte „Wiedergutmachungs-Abkommen“ umzusetzen. Nur wenige Monate nach Amtsantritt starb Nussbaum bei einem Verkehrsunfall.

Schlüsselwörter: Meinhold Nussbaum, Zionistische Vereinigung für Deutschland (ZVfD), Irgun Olej Merkas Europa (IOME), Antisemitismus, Jewish Restitution Successor Organization (IRSO), Nationalsozialismus, Israel-Handelsmission, Jewish Agency, Palästina/Israel


Jim G. Tobias
Nürnberger Institut
Postfach 210312
D-90121 Nürnberg
E-Mail:
jimtobias@nurinst.org

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Israel – freiwillige Geisel?
Peter Finkelgruen

Zusammenfassung: Der 1942 in Shanghai geborene jüdische Journalist und Schriftsteller Peter Finkelgruen betrachtet seine verschiedenen Lebensstationen in Shanghai, Prag, Israel und Deutschland vor dem Hintergrund eigener Verluste und traumatischer Erfahrungen. Deutschland, das er als Siebzehnjähriger erstmals kennen lernte, wurde von ihm auch als ein vom nationalsozialistischen Erbe zutiefst geprägtes Land erlebt. Israel hingegen, wo er aufwuchs, hat er als Zufluchtsort für sich als Jude empfunden. Neue Gesetzgebungen in Israel, durch welche dessen Selbstdefinition als „jüdischer und demokratischer Staat“ aus Finkelgruens Sicht in Frage gestellt wurde, haben sein Vertrauen in die demokratische Stabilität Israels als pluralistisch-aufgeklärtem Staat erschüttert.

Schlüsselwörter: Shanghai, Prag, Israel, jüdische Identität, „Wiedergutmachung“, Antisemitismus


Peter Finkelgruen
c/o PEN Zentrum deutschsprachiger Autoren im Ausland
Postfach 420572
D-50895 Köln
E-Mail:
finkelgruen@gmx.net

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Szenisches Erinnern der Shoah – Über transgenerationale Tradierungen extremen Traumas
Kurt Grünberg

Zusammenfassung: Die Tradierung des Traumas der nationalsozialistischen Judenvernichtung in einer jüdischen Überlebenden-Familie in Deutschland wird in diesem Beitrag anhand von Szenen beschrieben, in denen Opfer der Nazi-Verfolgung ihre Erfahrungen nicht primär verbal, sondern vor allem szenisch erinnern. Während sich frühere Arbeiten zu den psychosozialen Spätfolgen der Schoah insbesondere auf die verbale Vermittlung des Traumas bezogen, findet hier das nonverbale Geschehen besondere Berücksichtigung. Es handelt sich um eine Perspektive, die der Psychoanalytiker Hans Keilson mit dem Leitgedanken vorgab: „Wohin die Sprache nicht reicht“.

Schlüsselwörter: Extremes Trauma, Schoah, transgenerationale Trauma-Tradierung, Erinnern und Gedenken, szenisches Erinnern


Dr. Kurt Grünberg
Sigmund-Freud-Institut
c/o Goethe-Universität
Mertonstraße 17/Hauspostfach 55
D-60325 Frankfurt am Main
E-Mail:
gruenberg@sigmund-freud-institut.de

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Jüdisch sein zu müssen, ohne es wirklich sein zu können – Ein Identitätsdilemma im Lichte des Holocaust
Peter Pogany-Wnendt

Zusammenfassung: Was ist „jüdische Identität“? Volkszugehörigkeit oder Religion? Angesichts der Jahrtausende alten Geschichte des Judentums mit Verfolgung, Diaspora und Zerstreuung über den gesamten Globus ist diese ohnehin schwierige Frage kaum zu beantworten. Wenn man zufällig das Kind von jüdischen Überlebenden des Holocaust ist, dann wird die Bestimmung noch komplizierter. Die Ungeheuerlichkeit des Holocaust hat das Leben nicht nur der Überlebenden, sondern auch das ihrer Kinder und Kindeskinder in einer Weise geprägt, die im Schatten dieses Monstrums alles andere, was sich in der traditionsreichen jüdischen Geschichte ereignet hat, als vergleichsweise unbedeutend erscheinen lässt. Die Nachkommen der Überlebenden tragen eine aus dem unverarbeiteten Leid ihrer Eltern resultierende schwere Bürde. Sie können sie nicht einfach beiseite legen. In vielen Fällen führt das zu psychologischen Einschränkungen, insbesondere der Autonomie- und Identitätsentwicklung. Dennoch tragen die Kinder der Überlebenden die Verantwortung für dieses Erbe. Wenn sie sich dieser Verantwortung verweigern, laufen sie Gefahr, das Unverarbeitete in Form von unverdautem Leid und Ressentiments als destruktive Kraft an die nächste Generationen weiterzugeben.

Schlüsselwörter: Jüdische Identität, Identitätsdilemma, Identifikation, Identifikation mit dem Aggressor, Kernidentität, Großgruppenidentität, gewählte Traumata (chosen trauma), Holocaust, Stolpersteine, Zweite Generation, transgenerationelle Weitergabe


Peter Pogany-Wnendt
Arbeitskreis für Intergenerationelle Folgen
des Holocaust. ehem. PAKH e.V.
Limburgerstr. 12
D-50672 Köln
E-Mail:
contact@pakh.de

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Der dritte Weg
Peter Rosenthal

Zusammenfassung:
„Der dritte Weg“ beschreibt einige Eckpunkte meiner Biographie aus der Perspektive der Auseinandersetzung mit jüdischer Identität, mit der Erinnerung an die Kindheit in der Zeit der Diktatur in Rumänien, mit der Emigration und mit dem Leben in Deutschland.

Schlüsselwörter: Jüdische Identität, Andersseinmüssen, Andersseinwollen, Holocaust, Diktatur, Emigration


Peter Rosenthal
Venloerstrasse 347
D-50823 Köln
E-Mail:
PeterRosenthal@gmx.de

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Anmerkungen zur jüdischen Identität nach dem ‚Holocaust‘
Uri Kuchinsky

Zusammenfassung: Anhand historischer und literarischer Verweise und persönlicher Erinnerungen werden Komplexität und Schwierigkeit der Bestimmung jüdischer Identität nach dem Holocaust zwischen Selbst- und Fremdzuschreibung umrissen. Dabei wird der Begriff ‚Holocaust‘ problematisiert und die Heterogenität jüdischer Identitätsbildung herausgestellt.

Schlüsselwörter: Holocaust, Schoa, Trauma, mehrfache Identität des Jüdischen, Zweite Generation, Dritte Generation


Uri Kuchinsky
Institut für Psychoanalyse und Psychotherapie e.V.
Freiligrathstr. 13
D-40479 Düsseldorf
E-Mail:
UriKuchinsky@t-online.de

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Der Psychoanalytiker Sammy Speier (2.5.1944 – 19.6.2003): ein Leben mit dem Verlust
Oder: „Kehrt erst einmal vor der eigenen Tür!“
Roland Kaufhold

Zusammenfassung:
Die Studie stellt wesentliche biografische Phasen aus dem Leben und Wirken des jüdischen Psychoanalytikers Sammy Speier (1944 – 2003) vor. Speier, der in Israel geboren wurde, aber in Frankfurt am Main wirkte, verstand sich als ein politischer Psychoanalytiker; sein theoretisches, klinisches und gesellschaftliches Denken und Handeln war aufs Engste mit der Schoa verknüpft. Das Schweigen insbesondere von politisch links orientierten Menschen sowie seiner Berufskollegen verstand er als eine seelische Einfühlungsverweigerung. Die Umkehrung dieser Verweigerung entspricht der Hypothese des israelischen Psychoanalytikers Zvi Rix: „Die Deutschen werden den Juden Auschwitz nie verzeihen.“ Für den Autor steht das Vergessen dieses undogmatisch-kämpferischen jüdischen Psychoanalytikers symptomatisch für die Verweigerung der Deutschen, die Verantwortung für ihre mörderische Vergangenheit zu übernehmen wie auch die schwierige Lebenssituation in Israel angemessen zu verstehen.

Schlüsselwörter: Jüdische Identität, Israel, Schoa, Amcha, Politische Psychologie, Schuld, linker Antisemitismus, Sigmund Freud Institut Frankfurt/M.


Dr. Roland Kaufhold
E-Mail:
nc-kaufhoro5@netcologne.de

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Von rosa Kaninchen
Ramona Ambs

Zusammenfassung:
In dieser autobiographischen Schilderung wird dargelegt, wie die Erfahrungen des Holocaust auch Generationen später noch präsent sind und die Persönlichkeit und den Alltag der Nachgeborenen prägen. Nicht nur die Schatten der Vergangenheit, sondern auch die gegenwärtige Erfahrung als Jüdin in Deutschland führt zu einem Gefühl von Heimatlosigkeit. Subtile Formen von Antisemitismus, Ahnungslosigkeit und Desinteresse der deutschen Mehrheitsbevölkerung einerseits, und das Fremdwerden in der eigenen jüdischen Gemeinschaft durch die russische Zuwanderung andererseits, werden nachfühlbar geschildert.

Schlüsselwörter: Jude, Holocaust, Schoa, Hitler, Israel, „Ausschwitzkeule“, Deutsche, Russen


Ramona Ambs
E-Mail:
ramona.ambs@googlemail.com

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„Die Russen“ – Fragen für ein künftiges Forschungsprogramm
Micha Brumlik

Zusammenfassung:
Die jüdische Gemeinschaft in Deutschland setzt sich inzwischen zu etwa 90 Prozent aus Zuwanderern aus der ehemaligen Sowjetunion zusammen. Der Beitrag thematisiert die möglicherweise ganz unterschiedlichen psychischen Prägungen von Schoa-Überlebenden vor allem aus Polen und deren Nachkommen auf der einen sowie Einwanderern und ihren Nachkommen aus der ehemaligen Sowjetunion auf der anderen Seite. Mögliche Unterschiede und Prägungen stellen bisher lediglich Vermutungen dar. Daher wird vorgeschlagen, für beide Gruppen unterschiedliche Formen der Traumatisierung und damit auch unterschiedliche Weisen transgenerationaler Weitergabe der Erfahrungen der Weltkriegszeit anzunehmen und diese künftig empirisch zu untersuchen.

Schlüsselwörter: Jüdische Gemeinde, Alteingesessene, Kontingentflüchtlinge, Russen, Schwersttraumatisierte


Prof. Dr. Micha Brumlik
Institut für allgemeine Erziehungswissenschaft
Robert Mayerstr. 1
D-60054 Frankfurt
E-Mail:
mbrumlik@aol.com

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Die unverträgliche Erinnerung: Holocaust und kollektive Identitäten in Deutschland und Israel
Daniel Cil Brecher

Zusammenfassung:
Die beiden deutschen Staaten und Israel waren gleich bei ihrer Gründung gezwungen, sich dem Massenmord zu stellen. Als Staaten, die wegen der Folgen zum Handeln gezwungen waren, als Gesellschaften, deren Identität oder Selbstbilder durch das beispiellose Ereignis herausgefordert waren, und als Verband von Einzelnen, die mit ihren eigenen, sehr unterschiedlichen Erfahrungen zu Rande kommen mussten. Bei allen drei war die Auseinandersetzung mit dem Holocaust zum großen Teil unfreiwillig. Alle drei schufen sich Konstruktionen der kollektiven Erinnerung und staatlichen Identität, die der individuellen Erinnerung Gewalt antaten und von vorn herein viel Spannung verursachten. Die Bundesrepublik schuf sich das Konstrukt der “Tätergesellschaft”, die DDR und Israel eigneten sich, auf sehr unterschiedliche Weise, das Erbe der „Opfer“ an. Die kollektiven Sinngebungsprozesse in der Bundesrepublik Deutschland und Israel erlebten in späteren Jahren eine bemerkenswerte Konvergenz.

Schlüsselwörter: Holocaust, kollektive Identitäten, Selbstbilder, individuelle Erinnerung, Deutschland, Israel, Nachkrieg


Dabuniel Cil Brecher
Verversstraat 2 E-F
1011 JA Amsterdam, Niederlande
E-Mail:
dcbrecher@xs4all.nl

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Die Täter sind immer die Anderen
Alexandra Senfft

Zusammenfassung:
Hanns Ludin, der Großvater der Autorin, war der Gesandte des „Dritten Reiches“ in der Slowakei. Er war für die Deportation der dortigen Juden mitverantwortlich. 1947 wurde er als Kriegsverbrecher in Bratislava gehenkt. Viele seiner ehemaligen „Kameraden“, darunter auch namhafte Täter der NS-Zeit, lebten, ohne sich je zu ihrer Schuld bekannt zu haben, unbehelligt in der Bundesrepublik weiter. Ludins Hinrichtung machte ihn in diesen Kreisen – vor allem aber in seiner eigenen Familie – zum Märtyrer. So erzog seine Witwe ihre sechs Kinder im Glauben an den „guten Nazi“, der angeblich unschuldig geblieben war und für die Verbrechen der eigentlichen Täter hätte zahlen müssen. Alexandra Senfft stellt dar, wie ihre Mutter, das älteste der Ludin-Kinder, daran scheiterte, die Verbrechen ihres geliebten Vaters anzuerkennen. Und sie zeigt auf, dass das familiäre Verschweigen auch Folgen für die Enkelgeneration hatte, die das System der Verdrängung unbewusst fortsetzte. Die zentrale These der Autorin lautet: Solange die Vergangenheit am Beispiel Dritter, nicht jedoch innerhalb der eigenen Familie bearbeitet werde, könne eine Gesellschaft die Mechanismen ihrer Feindbilder nicht begreifen – und bleibe so bei der Auffassung, die Täter seien immer die Anderen.

Schlüsselwörter: Abwehr, Ambivalenz, Auswärtiges Amt, Familienloyalität, Feindbild, Täternachkommen, Antisemitismus, Islamophobie, Hanns Ludin, Dan Bar-On


Alexandra Senfft
Stiftstraße 64
D-20099 Hamburg
E-Mail:
info@alexandra-senfft.de

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