SHOPNEWSBÜCHERBUCHREIHENJOURNALECONGRESSPAPERKOMMENTARE



Pabst bei Twitter

 

Sie befinden sich hier: JOURNALE » Forensische Psychiatrie und Psychotherapie » Bisher erschienen » Inhalt lesen

« zurück




Forensische Psychiatrie und Psychotherapie

2017-3



Klaus Hoffmann, Bernd Dimmek, Heinfried Duncker, Reinhard Eher, Markus G. Feil, Michael Günter, Dirk Hesse, Lutz-Peter Hiersemenzel, Tilman Kluttig, Uta Kröger, Jutta Muysers, Thomas Ross, Kolja Schiltz
Editorial

Pamela Windham Stewart
Aufbau von Mutter-Baby-Therapiegruppen im Gefängnis: eine emotionale Validierung
Zusammenfassung | Abstract

James Gilligan
Kann uns die Psychoanalyse helfen, Ursachen und Präventionsmöglichkeiten von Gewalt zu verstehen?
Zusammenfassung | Abstract

Paul G. Herrmann, Nadine Durst, Markus G. Feil & Susanne Hörz-Sagstetter
Narzissmus und Persönlichkeitsstruktur bei Sexualstraftätern mit kindlichen Opfern – eine Pilotstudie
Zusammenfassung | Abstract

Stefan Fuchs
Umfassende Suizidprävention im Gefängnis – It works!
Zusammenfassung | Abstract

Florian Engel, Frank Schilling & Monika Eichhübl
Zur Reform im österreichischen Maßnahmenvollzug gemäß § 21 Abs. 2 öStGB – Eine gemeinsame Sprache in neuen Strukturen
Zusammenfassung | Abstract

32. Münchner Herbsttagung der Arbeitsgemeinschaft für Methodik und Dokumentation in der Forensischen Psychiatrie (AGFP) vom 05.10. – 06.10.2017 – Abstracts –

 


Aufbau von Mutter-Baby-Therapiegruppen im Gefängnis: eine emotionale Validierung
Pamela Windham Stewart

Zusammenfassung

Mütter in Gefängnissen haben ein hohes Risiko, eine Depression und andere psychische Probleme zu entwickeln, und dennoch haben sie nur begrenzten Zugang zu therapeutischer Unterstützung. Dieser Beitrag beschreibt die Entstehung zweier Therapiegruppen im Gefängnis, die die Autorin einmal für schwangere Frauen und einmal für Mütter mit ihren Babys aufgebaut hat. Diese beiden Gruppen werden derzeit unter dem Projektnamen „Born Inside“ am Bronzefield Prison in Surrey (England) abgehalten. Die Theorien und Grundsätze, die diesem Projekt zugrunde liegen, werden ebenso besprochen wie Prozesse und praktische Themen, die sich bei der Durchführung der Therapie und bei der auf diese Frauen und ihre vulnerablen Kinder zugeschnittenen Hilfeleistung zeigen. Darüber hinaus werden die Grundsätze der forensischen Psychotherapie in Bezug auf diese ganz spezielle Gefängnispopulation beschrieben und die dabei auftauchenden situationalen und emotionalen Herausforderungen anhand von Narrativen der Gruppenmitglieder veranschaulicht.

Schlüsselwörter: Mütter; Schwangerschaft; Gefängnis; Gruppentherapie; forensische Psychotherapie


Creating mother and baby therapy groups in prison: emotional valuation

Mothers in prison are at high risk of depression and other mental health issues and yet access to therapeutic services is limited. This paper describes the development by the author of two prison therapy groups: one for pregnant women, the other for mothers and their babies. Called the ‘Born Inside’ project, both groups are currently held in Bronzefield Prison, Surrey. The theory and principles behind the project are discussed, as well as the processes and practicalities involved in providing the therapy and specialised support to the women and their vulnerable infants. In addition, principles of forensic psychotherapy in relation to this specific prison population are described, and the situational and emotional challenges faced are illustrated through narratives of group members.

Keywords: mothers; pregnancy; prison; group therapy; forensic psychotherapy


Pamela Windham Stewart
HMP Bronzefield and HMP Holloway
Parkhurst Rd
London N7 0NU, UK
Pjwindham@aol.com

nach oben


Kann uns die Psychoanalyse helfen, Ursachen und Präventionsmöglichkeiten von Gewalt zu verstehen?
James Gilligan

Zusammenfassung

Als am besten geeignete Theorie zum Verständnis der menschlichen Persönlichkeit, die jemals entwickelt wurde – einschließlich unserer Neigung zu irrationalen, kontraproduktiven und selbstzerstörerischen Verhaltensmustern – befindet sich die Psychoanalyse in der einzigartigen Position, die schlimmste Krise zu lösen, in der sich die Menschheit seit ihrer Entstehung jemals befunden hat, nämlich der Bedrohung ihres eigenen Überlebens, verursacht durch ihr eigenes Verhalten, insbesondere durch den Drang, Gewalt in einem so enormen Ausmaß auszuüben, wie dies technologisch nur möglich ist, auch wenn dies den Tod der eigenen Person wie auch anderer Personen zur Folge hat. Dieses sich ständig ausweitende Verhaltensmuster, das selbst einen Genozid zu einer Fußnote der Geschichte werden lässt verglichen mit der Selbstauslöschung unserer gesamten Spezies, wird nicht nur vom apokalyptischen Fundamentalismus und Terrorismus („Selbstmordattentäter“) erschaffen, sondern durch die immer größere und nur zum Teil zu verhindernde Verbreitung von thermonuklearen Waffen an Staatsführer von zweifelhafter geistiger Gesundheit und die offensichtlich unabwendbare Fortsetzung von industriellen und ökonomischen Praktiken und Strategien, die unseren eigenen kleinen Planeten unbewohnbar machen werden, sollte es uns nicht gelingen, dies rückgängig zu machen. Warum ist es Menschen wichtiger, mit diesem Verhalten weiterzumachen, als auf ihr eigenes physisches Überleben zu achten (oder das ihrer Kinder)? Das ist die Frage, auf die dieser Beitrag zumindest den Anfang einer Antwort vorschlagen möchte: dass nämlich ein Mensch, wenn er sich in so großem Ausmaß beschämt und erniedrigt fühlt, dass das Überleben dieses zerbrechlichen und verletzbaren psychologischen Konstruktes, das sein „Selbst“ genannt wird, (oder das der religiösen oder kulturellen Gruppe, mit der sich sein Selbst identifiziert hat) bedroht wird, bereitwillig seinen Körper (oder den anderer Menschen) opfern wird, als Versuch – wie er es sieht – seine Seele, sein Selbst und seine Selbstachtung zu retten. Die Frage lautet dann: Was sind die sozialen und psychologischen Determinanten von überwältigender Scham und Erniedrigung und was können wir tun, um Menschen vor solchen Bedingungen zu schützen oder ihnen wenigstens zu helfen, auf eine Art und Weise darauf zu reagieren, dass Leben bewahrt und nicht zerstört wird?

Schlüsselwörter: Scham, Schuld, Gewalt, Auslöschung, Moral, Psychoanalyse, Wissenschaft, öffentliche Gesundheit, Präventivmedizin


Can psychoanalysis help us to understand the causes and prevention of violence?

As the most adequate theory of human personality yet created, including our propensity for irrational, self-defeating, and self-destructive behavior patterns, psychoanalysis is in a unique position to help us solve the most serious crisis that the human species has been confronted by at any point in its evolutionary history: the threat to its own survival that is caused by its own behavior, namely the compulsion to engage in violence on the largest scale that its technology makes possible, even when that causes the death of the self as well as of others. This continually expanding behavior pattern, which reduces even genocide to a minor footnote compared with the self-extinction of our whole species, is created not only by “apocalyptic” fundamentalism and terrorism (“suicide bombers”), but also by the increasing and only partially preventable proliferation of thermonuclear weapons to national rulers of questionable sanity, and the apparently unpreventable continuation of industrial/economic policies and practices that will, if not reversed, make our own small planet uninhabitable. What makes people place a higher value on the continuation of these behaviors than they place on their own physical survival (or that of their children)? That is the question to which this article proposes at least the beginnings of an answer: that when a person feels shamed and humiliated to a degree that threatens the survival of that fragile and vulnerable psychological construct called his “self” (or of the religious or cultural group with which his self has identified), he will eagerly sacrifice his body (and other peoples’) in the attempt to, as he sees it, save his soul, i.e. his self and his self-esteem. The question then becomes: what are the social and psychological determinants of overwhelming shame and humiliation, and how can we protect people from being exposed to those conditions, or at least enhance their ability to respond to them in ways that are life-preserving rather than life-destroying?

Keywords: shame; guilt; violence; extinction; morality; psychoanalysis; science; public health; preventive medicine


James Gilligan
Department of Psychiatry
School of Medicine
New York University, New York City
New York 10016, USA
james.gilligan@nyu.edu

nach oben


Narzissmus und Persönlichkeitsstruktur bei Sexualstraftätern mit kindlichen Opfern – eine Pilotstudie
Paul G. Herrmann, Nadine Durst, Markus G. Feil & Susanne Hörz-Sagstetter

Zusammenfassung

In der vorliegenden Arbeit wurde zwischen vulnerablem und grandiosem Narzissmus und der narzisstischen Persönlichkeitsstörung nach DSM-IV differenziert sowie deren Zusammenhang mit dem Strukturniveau nach Kernberg (1992) erfasst. Basierend auf den Daten von 42 Sexualstraftätern mit kindlichen Opfern (24 Hands-on, 18 Hands-off) wurden die Ergebnisse der Selbstbeurteilungsinstrumente PNI, ADP-IV und IPO-16 verglichen. Die untersuchte Stichprobe zeigte eine überdurchschnittliche Narzissmusausprägung, der vulnerable Narzissmus überwog gegenüber dem grandiosen Narzissmus. Die dimensionale Ausprägung der narzisstischen Persönlichkeitsstörung nach DSM-IV war überdurchschnittlich, aber kein Proband erfüllte die Diagnose nach kategorialen Kriterien. Je höher die Narzissmusausprägung, desto niedriger war das Strukturniveau. Es wurde kein signifikanter Unterschied zwischen Hands-on- und Hands-off-Tätern in den untersuchten klinischen Variablen gefunden. Die alleinige Diagnostik von Narzisstischer Persönlichkeitsstörung anhand des DSM-IV, mit Fokussierung auf den grandiosen Narzissmus, unterschätzt demnach systematisch die Prävalenz von pathologischem Narzissmus bei Sexualstraftätern mit kindlichen Opfern.

Schlüsselwörter: Sexualstraftäter, Kindesmissbrauch, pathologischer Narzissmus, Narzisstische Persönlichkeitsstörung, Strukturniveau


Narcissism and personality organization of child molesters

This pilot study differentiated between vulnerable and grandiose narcissism and DSM-IV narcissistic personality disorder, and also examined the relationship with personality organization according to Kernberg’s model (1992). Based on a sample of 42 child molesters (24 contact offenders, 18 noncontact offenders), results from the self-reports PNI, ADP-IV and IPO-16 were compared. Scores of narcissism in this sample were above average, with vulnerable narcissism clearly outweighing grandiose narcissism. The dimensional scores on DSM-IV narcissistic personality disorder were above average, but no subject fulfilled the diagnosis according to categorical diagnostic criteria. Higher levels of narcissism were associated with lower levels of personality organization. No significant differences between contact and noncontact offenders were found on the examined self-reports. When relying on DSM-IV based narcissistic personality disorder, with its focus on narcissistic grandiosity, the prevalence of pathological narcissism in child molesters seems to be systematically underestimated.

Key Words: sexual child molester, vulnerable narcissism, grandiose narcissism, narcissistic personality disorder, personality organization


Paul G. Herrmann
Psychotherapeutische Fachambulanz
für Sexual- und Gewaltstraftäter München
Bayerstraße 15
80335 München
pherrmann@hilfswerk-muenchen.de

nach oben


Umfassende Suizidprävention im Gefängnis – It works!
Stefan Fuchs

Zusammenfassung

Suizide im Gefängnis lösen bei außenstehenden und „unbefangenen“ Bürgern meist polarisierende Gefühle und Kognitionen aus. Während manche der Meinung sind „einer weniger, der dem Staat noch Geld kostet“, findet sich manchmal aber auch Unverständnis, und es werden Fragen gestellt: „Wie konnte das passieren, Häftlinge werden doch ständig überwacht!?“
Dem Vollzugsprofi ist klar, warum Suizide im Gefängnis – relativ gesehen – wesentlich häufiger vorkommen als in der Allgemeinbevölkerung. Es gehört zu den wesentlichen Kernaufgaben der Vollzugsbehörden, „die Gesundheit der ihnen anvertrauten Gefangenen zu schützen“ (Artikel 39 der Europäischen Strafvollzugsgrundsätze). Schon daraus sowie aus vollzugsgesetzlichen Vorgaben resultiert in rechtsstaatlichen Demokratien die Verpflichtung zur Planung und Umsetzung suizidpräventiver Maßnahmen im Strafvollzug. Im österreichischen Strafvollzug wird diese Verpflichtung seit Ende der 1990er Jahre ernsthaft und nachhaltig wahrgenommen. Die Entwicklung der Suizidzahlen im österreichischen Strafvollzug in den letzten 20 Jahren rechtfertigt die Feststellung: „Suizidprävention im Gefängnis – It works!“

Schlüsselwörter: Suizid, Gefängnis, Suizidprävention


Comprehensive suicide prevention policy in prison – It works!

Suicides in prison produce mixed feelings and cognitions in prison outsiders. One can hear inacceptable comments like: „one inmate less to put us on expense!“, or „I can´t imagine how this could happen, prisoners should be kept under continual surveillance!“. The professional prison insider knows why suicide happens (relatively) more often in prison than in the community. It is one essential task of prison administrations to protect health of prison inmates (Article 39 of European Prison Rules) – at least in democratic countries. That means that there is an obligation to plan and organize preventive measures in prisons. The Austrian Prison Administration is working continuously improving these preventive measures. The development of committed suicides in Austrian prisons over the last 20 years justifies the statement: „Comprehensive suicide prevention policy in prison – it works!“

Key words: Suicide, prison, suicide prevention


Stefan Fuchs
Bundesministerium für Justiz
Museumstrasse 7
1070 Wien, Österreich
stefan.fuchs@bmj.gv.at

nach oben


Zur Reform im österreichischen Maßnahmenvollzug gemäß § 21 Abs. 2 öStGB – Eine gemeinsame Sprache in neuen Strukturen
Florian Engel, Frank Schilling & Monika Eichhübl

Zusammenfassung

Der österreichische Maßnahmenvollzug für geistig abnorme zurechnungsfähige Rechtsbrecher, einst eine strafrechtliche Innovation, kam in den letzten Jahren aufgrund menschenrechtlicher Anforderungen und wegen öffentlich diskutierter Einzelfälle stark in die Kritik. Mit Zuständigkeit der 2015 neu geschaffenen Generaldirektion für den Strafvollzug und den Vollzug freiheitsentziehender Maßnahmen im Bundesministerium für Justiz wurden im Maßnahmenvollzug gem. § 21 Abs. 2 öStGB weitreichende Reformen initiiert. Nach einem historischen Überblick werden sowohl die strukturellen Veränderungen auf den unterschiedlichen hierarchischen Ebenen als auch die inhaltlichen Neuerungen vorgestellt. Die beschriebenen Qualitätsstandards sollen einen Rahmen schaffen und zur Entwicklung gemeinsamer Fallkonzepte beitragen. Besonderes Augenmerk wird auf die Darstellung der Violence Risk Scale (VRS) und deren Version für Sexualstraftäter (VRS:SO) gelegt, die zur gemeinsamen Kommunikation der Gefährlichkeit, der criminogenic needs, der Behandlungsschwerpunkte und zur Veränderungsmessung verpflichtend implementiert wurden.

Schlüsselwörter: Maßnahmenvollzug, Begutachtung, Risikomanagement, Violence Risk Scale, klinisches Case-Management, Straftäterbehandlung


Reform of the Austrian detention system pursuant to § 21 section 2 öStGB – A common language in new structures

The Austrian forensic placement of criminal responsible mentally ill offenders, once an innovation, has been strongly criticized in recent years due to human rights reasons and pressing issues around individual cases that were discussed publicly. A new Directorate General for correctional services within the federal ministry of justice was installed in 2015 and soon initiated significant reforms. This article summarizes historical developments, describes structural changes on different hierarchical levels and presents new professional standards.
The quality standards bring about a common reference frame and contribute to the development of common case concepts. Particular attention is paid to the mandatory application of the Violence Risk Scale (VRS) and its version for sex offenders (VRS:SO), which is an integral element for the identification and communication of risk factors, criminogenic needs and focus of treatment as well as for monitoring and evaluation.

Keywords:  forensic placement assessment, risk-management, Violence Risk Scale, case-management, offender treatment


Florian Engel
Bundesministerium für Justiz
Museumstraße 7
1070 Wien, Österreich
florian.engel@bmj.gv.at

nach oben




<- Zurück zu: Bisher erschienen

Öffnet einen internen Link im aktuellen FensterForensische Psychiatrie und Psychotherapie im Online-Shop...





alttext