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Musik-, Tanz- und Kunsttherapie

2017-1



Editorial
Wolfgang Pabst
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Ich sehe was, das Du nicht siehst: Kunsttherapie in der multiprofessionellen Borderline-Behandlung
Alexandra Daszkowski
Zusammenfassung | Abstract

Wenn Bilder sich in Szene setzen. Von verstörten und rekonstruierten Beziehungen – zur synthetischen Kraft des Symbols
Karl-Heinz Menzen
Zusammenfassung | Abstract

Using music psychotherapy with borderline adolescents as a means of tertiary prevention: a pilot study realized in a naturalistic setting
Lony Schiltz
Zusammenfassung | Abstract

Bildstrecke „Hütten der Ndebele“

Sound quality: Music therapeutic perspectives and criteria
Wolfgang Mastnak
Zusammenfassung | Abstract

Glücklicher durch Musizieren? Ein systematischer Review
Clara Scheer & Petra Jansen
Zusammenfassung | Abstract

„Wenn Symptome tanzen lernen“ – Szenen aus dem Tanzprojekt „Körperkunst“ der Gießener Familienpsychosomatik
Johanna Lea Karb, Susanne Fromme, Tarek Assam & Burkhard Brosig
Zusammenfassung | Abstract

Zur Bedeutsamkeit der Kunsttherapie in der dialektisch-behavioralen Behandlung der Borderline-Störung – eine empirische Studie
Michaela Sindermann
Zusammenfassung | Abstract

Relevanz der Kunsttherapie im psychiatrischen Kontext unter besonderer Betrachtung von veränderter Wahrnehmung und Ausdruck bei Depressiven Störungen und Posttraumatischen Belastungsstörungen. Ergebnisse einer Patientenbefragung an zwei Universitätskliniken
Panja Küpper
Zusammenfassung | Abstract

Poesie und Erkenntnis – eine poesietherapeutische Perspektive
Marc Neufeld
Zusammenfassung | Abstract


Rezensionen

K.-H. Menzen:
Heil-Kunst. Entwicklungsgeschichte der Kunsttherapie

F. Wienand:
Projektive Diagnostik bei Kindern, Jugendlichen und Familien. Grundlagen und Praxis – ein Handbuch

F. Mitterlehner & C. Christ:
Psychotherapie-Leichtfaden. Schwierige Situationen professionell meistern


Editorial
Wolfgang Pabst

Musik-, Tanz- und Kunsttherapie hat den Verlag gewechselt. Wir freuen uns, der Zeitschrift eine neue publizistische Heimat geben zu können. Und wir hoffen, dass Ihnen die neue Gestaltung gefällt.

Das Oevre der Zeitschrift hat in unserem Programm gefehlt. Wir verlegen Journale und Bücher aus der Medizin und Psychologie. Die meisten Publikationen dienen einer ebenso effizienten wie effektiven Therapie – meist notwendigerweise in reduktionistischen, linear-kausalen Strukturen. Doch die realen Therapieprozesse verlaufen eher nicht-linear, sprunghaft, rückgekoppelt, vernetzt und keineswegs leitliniengerecht.

Die künstlerischen Therapien riskieren es, sich dieser kaum prognostizierbaren Dynamik zu stellen. Künstlerische Therapien können dort weiterarbeiten, wo Schulmedizin und Schulpsychologie am Ende ihres Lateins sind.

Guenda Bernegger und Michael Musalek formulieren es: „Je mehr Phantasie und Vorstellungskraft ein Therapeut hat, in der Realität versteckte und von der Krankheit verdunkelte Existenzmöglichkeiten zu sehen, desto mehr ist er auch in der Lage, dem Patienten Möglichkeiten der Veränderung aufzuzeigen. Auf der Basis tiefgründiger Resonanzen kann man ihm Möglichkeiten offenbaren, die ihn faszinieren, anziehen und bewegen.
Die vom Therapeuten im Behandlungsprozess induzierten Imaginationen sind auch Antwort auf Einengung des eigenen Seinkönnens im Kranksein und Ausweg in eine kreative Autopoiesis. Ist es nicht gerade die ästhetische Erfahrung, die den Menschen am meisten berührt und die in ihm die ureigensten und persönlichsten Möglichkeiten erweckt?“
[1]

Unter dieser Aufgabenstellung ist für künstlerische Therapien der Wirkungsnachweis eine besonders komplexe Herausforderung. Verlässliche Evaluationsstudien sollten in dieser Zeitschrift ein besonderes Gewicht erhalten – einerseits um den LeserInnen kritische oder motivierende Anhaltspunkte für ihre Arbeit zu liefern und anderseits um die Beziehungen zu angrenzenden therapeutischen Disziplinen bzw. Kostenträgern justieren zu können.

Reflexion, Kreativität und Empathie sind Grundvoraussetzungen für künstlerische TherapeutInnen – und, wenn auch modifiziert, für ihren Verleger. Ich hoffe, wir werden diesem Selbstanspruch gerecht. Die Kunstwerke der südafrikanischen Ndebele-Frauen in dieser Ausgabe signalisieren unsere offenen Türen.

Wolfgang Pabst
wp@pabst-publishers.com


[1] Bernegger, G. & Musalek, M. (2011). Und Odysseus weinte. Ästhetische und narrative Elemente in der therapeutischen Beziehung. In: M. Musalek & M. Poltrum (Hrsg.), Ars Medica – zu einer neuen Ästhetik in der Medizin. Lengerich: Pabst Science Publishers.

PS.:
Die Zeitschrift erschien bisher vierteljährlich. Ab sofort liefern wir sie halbjährlich. Der Gesamtumfang – etwa 240 Seiten pro Jahr – bleibt gleich. Die Einsparung geben wir an die BezieherInnen weiter – wir berechnen keine Versandkosten.
Unsere Internet-Präsenz ist noch nicht an Musik-, Tanz- und Kunsttherapie adaptiert. Daher bitten wir NutzerInnen, die zusätzlich zum Print-Abonnement eine elektronische Version wünschen, um Mitteilung an: haarlammert@pabst-publishers.com. Frau Haarlammert stellt Ihnen dann die Datei zur Verfügung.

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Ich sehe was, das Du nicht siehst: Kunsttherapie in der multiprofessionellen Borderline-Behandlung
Alexandra Daszkowski

Der Beitrag befasst sich mit der Funktion von Kunsttherapie in der (teil)stationären Behandlung von Borderline-Patienten. Überschneidungsbereiche zwischen Borderline-spezifischer Psychotherapie und Kunsttherapie werden aufgezeigt und mit Erfahrungen aus der Praxis belegt. Die wertvolle Verschränkung von Kunsttherapie, Übertragungsfokussierter Psychotherapie (TFP) und Mentalisierungsbasierter Therapie (MBT) wird herausgestellt und dabei verdeutlicht, wie die borderline-spezifische Psychotherapie durch die Erfahrung der Kunsttherapeutin weitere Erkenntnisse über die Psychodynamik der Patienten gewinnt. Ein Fallbeispiel zeigt, wie auf Bilderebene im Laufe eines kunsttherapeutischen Prozesses verschiedene Beziehungsaspekte und Gefühlsqualitäten sichtbar sowie besprechbar wurden und in einer Bilderreihe sinnhaft miteinander verbunden werden konnten. Aus dem integrativen Ansatz und dem vielversprechenden Verlauf ergibt sich die Empfehlung, spezifische beziehungsorientierte Kunsttherapie in das multiprofessionelle klinische Behandlungskonzept der Borderline-Persönlichkeitsstörung einzubeziehen.

Schlüsselwörter: Borderline-Persönlichkeitsstörung, Borderline-spezifische Kunsttherapie, klinische Kunsttherapie, prozessorientierte Kunsttherapie, psychodynamische Kunsttherapie, integrativer therapeutischer Prozess, Übertragungsfokussierte Psychotherapie (TFP), Mentalisierungsbasierte Therapie (MBT), multiprofessionelle Borderline-Behandlung, Symbolisierung


I may see what you fail to see: Art therapy in the multi-professional treatment of borderline personality disorders

This treatease concerns the function of art therapy in the clinical treatment of borderline patients. Overlapping domains among borderline speci c psychotherapy and art therapy have become apparent and have been substantiated with clinical experience. The valuable interconnection between art therapy, transference-focused psychotherapy (TFP) and mentalisation based-therapy (MBT) is pointed out, and it is shown how borderline speci c psychotherapy wins further psychodynamic knowledge if art therapists communicate experience within art therapy to other therapeutic disciplines. A case study illuminates how during the course of an integrative art therapeutic treatment process relationship-centered and emotional qualities became visually apparent and ultimately combined in a process-oriented visual narration. The integrated approach and promising course suggest that speci c relationship-centered art therapy is highly recommendable in the multi-professional clinical treatment of borderline personality disorders.

Keywords: borderline personality disorder, borderline speci c art therapy, clinical art therapy, process oriented art therapy, psychodynamic art therapy, integrated therapeutic process, relationship-centered psychotherapy, transference-focused psychotherapy (TFP), mentalisation-based therapy (MBT), multi-professional borderline treatment, symbolisation


Dr. Alexandra Daszkowski, M.A.
Klinische Kunsttherapeutin, grad. DGKT
Asklepios Klinik Nord
Klinik für Persönlichkeits- und Traumafolgestörungen
Tagesklinik Nord
Langenhorner Chaussee 560
D-22419 Hamburg
a.daszkowski@asklepios.com

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Wenn Bilder sich in Szene setzen. Von verstörten und rekonstruierten Beziehungen – zur synthetischen Kraft des Symbols
Karl-Heinz Menzen

E. Cassirer, S. Freud, C. G. Jung, J. Lacan, J. Piaget, D. Stern, Ch. S. Peirce – sie alle haben ein z.T. recht verschiedenes Symbolverständnis. Was sie alle aber gemeinsam haben, ist die Überzeugung, dass Symbole nur in einem Kontext entstehen und eben aus diesem auch verstanden werden können. Das betrifft besonders das therapeutische Verhältnis. Dieses knüpft insbesondere an die frühe Erfahrung des Kindes an, an seine vorsprachliche Erfahrung, aber auch an die Irritationen, die dann im Leben eintreten, wenn die „Sagen-Welt“ der Erwachsenen sich der vorsprachlichen symbolischen Erfahrungen des Kindes bemächtigt. Der Beitrag berichtet davon, wie die Wiederholung dieser frühen kindlichen Erfahrung etabliert wird und eine gemeinsame Ordnung des Erlebens, eine Ordnung der sich miteinander verknüpfenden Bedeutungen entsteht.

Schlüsselwörter: Symbol-De nition, frühe kindliche Erfahrung, Sprachkontext symbolische Ordnung


When pictures are set in scene. From disturbed and reconstructed relationships – to the synthetic force of the symbol

The expression symbol is used ambiguously and differently. The symbolic concepts of different authors, like Ernst Cassirer, Sigmund Freud, C. G. Jung, Jacques Lacan, Jean Piaget, Daniel Stern or Charles S. Peirce differ of each other. What is symbolic, it becomes established quite early in the context of the development of the child. And it can be deciphered only in just this context. The who, which communicates about the pictures of the child whom you sit opposite, stated: ‘I have dif culties to limit the therapeutic respect on the understanding of the therapist for the symbolic statement of the patient. Symbolic statements, and I would like to understand by it personal symbols, become possible and got her meaning in the working respect, in the trusting respect between patient and therapist. It concerns a slide-logical interrelation in which the patient lets arise a picture of his con icts, fears, the form of his object relations; a picture which releases a counterpicture, as a form of a re exion or interpretation in the therapist. This reflexion can also be a product of the therapist’ (Wellendorf, 1984, p. 234). The teaching analyst Jolande Jacobi (1890-1973) helps her female patient to decipher the symbolic representation of her mother semiotically in their devouring character. Jacques Lacan has said it: Only when a child enters into the language and accepts the rules and dictations of the society, it is able to handle with the other. It is a linguistic-based act on which the existence of the world of the symbol is based. But preceding it is an imaginary respect which forms the basis of the world of the symbol and her order. The contribution reports about how the repetition of this early childish experience is set up and a common order of the experience, an order of the meanings associating with each other originates.

Keywords: symbol de nition, early childhood experience, language context, symbolic order


Prof. Dr. phil. habil. Karl-Heinz Menzen
Hornweg 4
D-79271 St. Peter
karl-heinz.menzen@t-online.de
www.kunsttherapie-menzen.com

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Using music psychotherapy with borderline adolescents as a means of tertiary prevention: a pilot study realized in a naturalistic setting
Lony Schiltz

The clinical background of borderline personality organization in adolescence is described, insisting on the different conceptions of structural and categorical psychopathology.
Music psychotherapy combined with verbal elaboration in the cognitive-psychodynamic tradition could be effective with adolescents presenting emotional or conduct disorders related to an underlying borderline personality organization. This hypothesis has been put to a test with the help of a longitudinal follow-up study of adolescents (total N = 38). The study was based on an integrated qualitative and quantitative research methodology, combining psychometric tests, projective tests, observational frames and rating scales, and including the use of external validation criteria.
With the help of non parametric statistical procedures, signi cant modi cations in the imaginary and symbolic elaboration of aggressive drives could be documented, reducing the tendency towards auto- or hetero-aggressive acting out, towards somatization or towards the inhibition of pulsional and emotional functioning, and leading to a resumption of the blocked process of subjectivation. We make sense of the quantitative ndings by reporting qualitative observations and by illustrating the therapeutic process with the help of case studies.
The results of the study con rm a theoretical modelization coming out of the exploratory stage of the research project. They are interpreted in reference to music psychology and clinical psychology of adolescence. The methodological issues are discussed.

Keywords: adolescence, borderline personality organization, evaluation, music psychotherapy, quasi-experimental design


Musiktherapie mit jugendlichen Borderline-Patienten im Sinn einer tertiären Prävention: Pilotstudie im naturalistischen Setting

Der klinische Hintergrund jugendlicher Borderline-Persönlichkeiten wird beschrieben – im Hinblick auf unterschiedliche Konzeptionen der strukturellen und kategorialen Psychopathologie.
Musiktherapie, verbunden mit einer sprachlichen Bearbeitung in der kognitiv-psychodynamischen Tradition, kann bei Jugendlichen erfolgreich sein, deren Emotionen und Verhalten auf eine Borderline Persönlichkeitsstörung hindeuten. Wir haben diese Hypothese in einer Langzeitstudie mit 38 Jugendlichen untersucht. Unsere integrierte qualitativ-quantitative Methodik enthielt psychometrische und projektive Tests, Beobachtungen, Ratingskalen und externale Validierungskriterien.
Mit nonparametrischen statistischen Verfahren konnten wir signifikante Modifikationen im Aggressionsdruck belegen: Wir beobachteten einen Rückgang der Tendenz zu auto- oder hetero-aggressivem Ausagieren, zu Somatisierungen, zu Gefühlsstörungen; und wir sahen, wie blockierte Prozesse der Subjektivierung wieder in Bewegung gerieten. Wir verdeutlichen die quantitativen Ergebnisse anhand qualitativer Beobachtungen, therapeutischer Prozesse und konkreter Fallstudien.

Schlüsselwörter: Jugendliche, Borderline-Persönlichkeit, Musiktherapie, quasi-experimentelles Studiendesign


Prof. Dr. phil. habil. Lony Schiltz
Laboratoire de recherche
en Psychologie clinique (PCSA)
Hôpital Kirchberg
9, Rue Edward Steichen
L-2540 Luxembourg
lony.schiltz@education.lu

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Sound quality: Music therapeutic perspectives and criteria
Wolfgang Mastnak

Aesthetic perspectives play a crucial role in music therapy. By contrast, issues of sound quality are only relatively rarely studied. Cases of clinical and educational music therapy with instruments of inferior quality raise questions about appropriate tools and criteria for sound quality. In view of the patients’ nuanced forms of sensory experience and responsiveness to sounds, we suggest we approach sound quality from artistic, patient-centred, and scienti c perspectives that involve physical, neuroscienti c, psychological, aesthetic, and metaphysical facets. These re ections result in a theoretical framework for the discussion of sound quality in clinical music therapy. This concept is based on eight crucial perspectives: aesthetic beauty; symbolic signi cance; identity and ‘sound-selves’; ontological and cosmic characteristics; functional healing mechanisms; creative inspiration and sound-triggered epiphany; self-healing potential and new self-images; sounds that reconnect ‘denatured’ individuals and their human nature. Sound quality comprises to both aesthetic criteria (the ‘good’ sound) and the multifaceted, therapeutically relevant natures of sound.

Keywords: sound research, philosophy of sound, theory of music therapy, trends in music therapy, interdisciplinary music therapy, aesthetics, sound-self


Klangqualitäten: Musiktherapeutische Perspektiven und Kriterien

Während ästhetische Aspekte in der Musiktherapie eine bedeutende Rolle spielen, scheint die Frage nach der Qualität von Klang einen Nebenschauplatz darzustellen. Der musiktherapeutische Einsatz „schlechter“ Instrumente im klinischen und pädagogischen Bereich ruft allerdings die Frage nach adäquaten Kriterien für die Qualität von Klang in der Musiktherapie aufs Tapet. Aufgrund der patientenseitig unterschiedlichen und oftmals höchst nuancierten Klangerfahrungen und Reaktionen auf auditive Stimuli werden künstlerische, patientenzentrierte und interdisziplinär forschungsbasierte Zugänge, die physikalische, neurowissenschaftliche, psychologische, ästhetische und metaphysische Perspektiven berücksichtigen, vorgeschlagen. Diese Überlegungen führen zu einem theoretischen Modell zur Diskussion von Klangqualität in der klinischen Musiktherapie. Dieses beruht auf acht Dimensionen: (i) ästhetische Schönheit, (ii) symbolische Bedeutung, (iii) Identität und „Klang-Ich“, (iv) ontologische und kosmologische Charakteristika, (v) funktional-kurative Mechanismen, (vi) kreative Inspiration und durch Klang hervorgerufene Spontanerkenntnis, (vii) Selbstheilungspotenzial und neue Selbstbilder und (viii) Klänge, die ein verlorenes Ich wieder zurückbringen können. Qualität von Klang berücksichtigt dabei sowohl ästhetische Kriterien (der „gute“ Klang) als auch seine facettenreichen, therapierelevanten Wesenszüge.

Schlüsselwörter: Klangforschung, Klangphilosophie, Theorie der Musiktherapie, Musiktherapeutische Trends, interdisziplinäre Musiktherapie, Ästhetik, Klang-Selbst


Univ.-Prof. Dr. Dr. Dr. Wolfgang Mastnak
Arcisstraße 12
D-80333 München
wolfgang.mastnak@hmtm.de

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Glücklicher durch Musizieren? Ein systematischer Review
Clara Scheer & Petra Jansen

Musik als universelles Merkmal menschlicher Gesellschaft ist in jeder Kultur zu nden. Sie macht uns glücklich oder traurig, sie wirkt entspannend oder belebend. Doch verändert sie auch unseren Grundzustand der Zufriedenheit? Ziel dieser Arbeit war es, wissenschaftliche Untersuchungen zum Einfluss von Musikinterventionen auf die Steigerung der allgemeinen Lebenszufriedenheit systematisch zusammenzufassen. In einer umfassenden Literaturrecherche wurden insgesamt 184 Studien identifiziert, von welchen nach Prüfung der Kriterien (Veröffentlichung der Studie innerhalb der letzten zehn Jahren, Musik von Probanden aktiv praktiziert, Vorhandensein einer randomisierten Kontrollgruppe) sechs Publikationen übrigblieben. Die Hälfte der gefundenen Publikationen verglichen Musikinterventionen mit aktiven Kontrollgruppen. Die Studien wiesen einen sehr heterogenen, experimentellen Versuchsaufbau auf, drei der sechs Arbeiten untersuchten den Zufriedenheitszustand der Probanden als zusätzliche Messung neben anderen Variablen. Die Ergebnisse zeigten keine Verbesserung der allgemeinen Lebenszufriedenheit nach der Musikintervention, allerdings interpretieren einige Autoren die Ergebnisse als eine mögliche subjektive Steigerung des Glücks.

Schlüsselwörter: Musikintervention, Musiktherapie, Lebenszufriedenheit, systematische Übersichtsarbeit


Greater happiness through music? A systematic review

Music is a global characteristic of human societies, in all cultures and groups humans practice music. It elicits either happy or sad emotions, it helps us to feel relaxed or aroused. But could it actually change our overall condition of life satisfaction? This review aims to provide an overview of the existing literature concerning the effect of music on the general life satisfaction. By investigating the literature we identi ed 184 publications within the last ten years. After exclusion of preliminary set criteria (published within the last ten years, music produced by subjects, presence of a randomized control group) only six studies could be included in the analysis. Three studies compared the music condition to an active control group. Overall the studies showed a rather inhomogeneous experimental set up. Three studies examined life satisfaction as part of a different investigation. The results did not show any improvement of life satisfaction after a musical intervention program. However some authors hint to a subjective amelioration of the overall well-being of the subjects.

Keywords: music intervention, music therapy, life satisfaction, well-being, systemic review


Clara Scheer
Universität Regensburg
Institut für Sportwissenschaft
Universitätsstraße 31
D-93053 Regensburg
clara.scheer@ur.de

Univ.-Prof. Dr. Petra Jansen
Universität Regensburg
Institut für Sportwissenschaft
Universitätsstraße 31
D-93053 Regensburg
petra.jansen@ur.de

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„Wenn Symptome tanzen lernen“ – Szenen aus dem Tanzprojekt „Körperkunst“ der Gießener Familienpsychosomatik
Johanna Lea Karb, Susanne Fromme, Tarek Assam & Burkhard Brosig

Ausgehend von der Methode der Teilnehmenden Beobachtung werden Szenen eines Tanzprojekts herausgearbeitet, das in Kooperation von Familienpsychosomatik, Pädiatrie und Tanzkompagnie stattfand. Mittels komparativer Kasuistik werden die Krankheitsbilder Anorexia nervosa und Atopische Dermatitis miteinander kontrastiert und in der sich im Workshop abzeichnenden Entwicklung beschrieben. Die Kon ikte im Körper chronisch kranker Kinder und Jugendlicher und die damit verbundenen inneren Spannungen und Ambivalenzen können dabei im modernen Tanz als einem nonverbalen Kommunikationsmedium kreativ be- und verarbeitet werden.

Schlüsselwörter: moderner Tanz, Pädiatrie, Familienpsychosomatik, chronische Erkrankungen,
Psychoanalyse, Teilnehmende Beobachtung


‘If symptoms learn to dance’ – scenes from the dance project oft the Pediatric Clinic Gießen

Based on the method of participant observation, scenes of a dance project, which is organized in cooperation between family psychosomatics, pediatrics and dance company, are outlined. On the basis of a comparative case study the clinical pictures of Anorexia nervosa and Atopic dermatitis are contrasted and developments within the workshop are described. The con icts within the body of chronically ill children and adolescents and the associated internal tensions and ambivalences are creatively worked through by modern dance as a non-verbal medium of communication.

Keywords: modern dance, pediatrics, family psychosomatics, chronic diseases, psychoanalysis, participant observation


Johanna Lea Karb
International Psychoanalytic University (IPU)
Berlin Stromstraße 1
D-10555 Berlin
johanna.karb@ipu-berlin.de

Susanne Fromme
Dozentin für zeitgenössischen Tanz
Choreographische Assistenz
M.Sc. Dance Science
Bewegungspädagogin der Franklin-Methode®
Von-Sandt-Straße 7
D-53225 Bonn
susfromme@web.de

Tarek Assam
Direktor
Tanzcompagnie Gießen/Stadttheater Gießen
Berliner Platz
D-35390 Gießen
tanz@stadttheater-giessen.de
www.stadttheater-giessen.de
www.tanzcompagnie.de

Prof. Dr. med. Burkhard Brosig
Psychoanalytische Familienpsychosomatik
Oberarzt des Zentrums für Kinderheilkunde,
Abteilung Allgemeine Pädiatrie und Neonatologie
Feulgenstraße 10-12
D-35392 Gießen
burkhard.brosig@psycho.med.uni-giessen.de

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Zur Bedeutsamkeit der Kunsttherapie in der dialektisch-behavioralen Behandlung der Borderline-Störung – eine empirische Studie
Michaela Sindermann

Diese kunsttherapeutische Studie geht der Frage nach der Bedeutung von Kunsttherapie innerhalb der stationären dialektisch-behavioralen Therapie (DBT) von Frauen mit der Diagnose Borderline-Persönlichkeitsstörung (BPS) nach. Sie hat zum Ziel, ein praxisgebundenes Modell zur Erklärung der kunsttherapeutischen Wirkmechanismen in der dialektisch behavioralen Kunsttherapie (DB-KT) zu entwerfen. Anhand von fünf problemzentrierten Interviews mit BPS-Patientinnen und ihrer an der Grounded Theory ausgerichteten Auswertung wurden die Bedingungen des kunsttherapeutischen Vorgehens, die Wirkungsweise der DB-KT sowie ihre daraus resultierenden Wirksamkeiten ermittelt. So ist in der DB-KT ein differenziell austariertes Passungsgefüge notwendig, um im Rahmen ästhetischer Erfahrungen und spezifischer stimulierender kunsttherapeutischer Interventionen die künstlerischen Handlungen zu vollziehen, welche die Auseinandersetzung mit den subjektiv relevanten Themenbereichen ermöglichen. Sie münden verallgemeinernd in der Verbesserung des Selbstbildes.

Schlüsselwörter: Borderline-Persönlichkeitsstörung, dialektisch-behaviorale Therapie, Kunsttherapie, dialektisch-behaviorale Kunsttherapie, Grounded Theory


Art therapy in the dialectical behavioral treatment of women with borderline personality disorder

This study examines the meaning of art therapy in the inpatient dialectical behavioral treatment (DBT) of women with borderline personality disorder (BPD) diagnosis. Its aim is to develop a practice-based concept that explains the therapeutic mechanisms in dialectical behavioral art therapy. Five interviews with female BPD-patients are analyzed by using the Grounded Theory. The conditions of the therapeutic approach, the therapeutic mechanisms and the effectiveness of dialectical behavioral art therapy are examined. A differentially regulated t between the patient and the art therapeutic offer is necessary to develop artistic actions in the context of the aesthetic experiences and the stimulating art therapeutic interventions. The artistic actions allow the exploration of personally meaningful topics and lead in general to an enhanced self-perception.

Keywords: borderline personality disorder, dialectical behavioral therapy, art therapy, dialectical behavioral art therapy, grounded theory


Michaela Sindermann, M.A.
Westfälische Wilhelms-Universität Münster
Fachbereich Erziehungswissenschaft und Sozialwissenschaften
michaela.sindermann@uni-muenster.de

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Relevanz der Kunsttherapie im psychiatrischen Kontext unter besonderer Betrachtung von veränderter Wahrnehmung und Ausdruck bei Depressiven Störungen und Posttraumatischen Belastungsstörungen. Ergebnisse einer Patientenbefragung an zwei Universitätskliniken
Panja Küpper

Patienten mit psychiatrischen Erkrankungen wie depressiven Störungen und posttraumatischen Belastungsstörungen leiden häufig unter veränderter emotionaler Wahrnehmung und Ausdrucksfähigkeit. Diese Studie untersucht, inwieweit Kunsttherapie das Bewusstwerden dieser Seelentätigkeiten verbessern kann. In einer anonymen Fragebogenstudie an zwei unterschiedlichen psychiatrischen Universitätskliniken wurden 103 Patienten nach Abschluss ihres Aufenthaltes zu ihrem Erleben und ihrem Erfahrungszugewinn durch Kunsttherapie befragt. Vor allem im Zusammenhang der beiden am häufigsten angegebenen Diagnosen Depressive Störungen und Posttraumatische Belastungsstörungen (PTBS) konnten eindeutig positive Ergebnisse ermittelt werden. Diese haben bedeutsame Implikationen für die Stellung der Kunsttherapie bei Patienten mit psychiatrischen Störungen.

Schlüsselwörter: Kunsttherapie, klinische Studie, psychiatrische Störung, Wahrnehmung, Ausdruck


The relevance of art therapy in the context of psychiatry. Improvement of emotional perception and expression from the patient’s view. Results of a prospective empiric questionnaire study

Patients with psychiatric illnesses like depressiv and post-traumatic disturbances suffer often from altered emotional perception and capability of expression. This study examines to what extent art therapy can improve the consciousness of these activities of the soul. In an anonymus questionnaire study in two different university psychiatric hospitals 103 patients were questioned after the end of their time in hospital about their experience and increase in perception from art therapy. Above all in connection with the two most frequent diagnoses. In the case of affective disturbances and post-traumatic disturbances unambiguously positive results could be determined. These have important implications for the signi cance of art therapy for patients with psychiatric disturbances.

Keywords: art therapy, clinical study, psychiatric disturbance, perception, expression


Panja Küpper
Zentrum für Psychosoziale Medizin
der Universität Heidelberg
Voßstraße 4
D-69115 Heidelberg
panjakuepper@t-online.de

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Poesie und Erkenntnis – eine poesietherapeutische Perspektive
Marc Neufeld

Im Aufsatz „Poesie und Erkenntnis“ wird ausgehend von einem Diktum Joh. Georg Hamanns (1730-1788) der Charakter poetischer Sprache erörtert. Poesie wird als Weg der Selbst-, Welt- und Gotteserkenntnis diskutiert. Zur Analyse von Lyrik werden u.a. Kategorien vorgeschlagen, die sich an den Aspekten eines psychopathologischen Befundes orientieren wie er für die Psychotherapie erstellt wird (AMDP). Umgekehrt wird eine Methode vorgestellt, wie Therapeuten das Schreiben von Lyrik nutzen können, um Resonanzphänomene (Übertragung und Gegenübertragung) aus der Therapie für sich zu klären.

Schlüsselwörter: Poetische Sprache, J. G. Hamann, Erkenntnis, Selbst, Welt, Gott, Poesie-Therapie, Lyrik, Resonanz-Phänomen (Übertragung, Gegenübertragung), AMDP, Analyse


Poetry and knowledge – a poetry-therapeutic perspective

In the essay ‘Poesie und Erkenntnis’ (poetry and knowledge) the character of poetic language is being debated based on a dictum by Joh. Georg Hamann (1730-1733). Poetry is being discussed as a way into knowledge of the self, the world and of God. For the analysis of lyric, among others, categories are suggested that follow the aspects of a psychopathologic evidence as used in psychotherapy (AMDP system). Conversely, a method is presented showing how therapists can use writing lyric poetry in order to clarify phenomena of resonance (transmission and counter-transmission) originating from the therapy.

Keywords: poetry language, J. G. Hamann, knowledge, self, world, God, poetry therapy, lyric, resonance phenomena (transmission, counter-transmission), AMDP, analysis


Dr. Marc Neufeld
IBP-Institut (Integrative Body Psychotherapy)
Mühlestrasse 10
CH-8400 Winterthur
marc.neufeld@web.de

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